15
 
   
living for a box
sauber und stabil mussten die holzbehälter sein, in denen ein findiger geschäftsmann aus ohio in den usa vor rund 100 jahren seine seifen zu seinen kunden transportierte. „warum nicht aus diesem holzbehälter einen rennwagen bauen?“, dachte er sich und legte damit das fundament für einen bis heute andauernden kult – das seifenkistenrennen.
seifen und rennwagen haben nicht am ersten blick etwas miteinander zu tun. seifenbehälter und rennwagen schon eher. dass sich aus jenen behältern, die anfang des vorigen jahrhunderts für den sauberen transport von seifen benutzt wurden, im laufe der zeit durchaus semi-professionelle rennwagen und dazugehörige wettrennen entwickeln sollten, war anfangs noch nicht denkbar. das änderte sich aber schnell, als ein reporter auf den im amerikanischen ohio geborenen kinderspaß aufmerksam wurde und über die auf den strassen rollenden holzkisten in den „dayton daily news“ berichtete. was danach folgte, war eine beispiellose karriere, die sich ohne internet trotzdem rasend über den ganzen erdball verbreitete. die seifenkisten waren geboren und damit ein weltweiter, einfach zu konstruierender spaß für groß und klein. anfangs wurden die selbst gebauten fahrzeuge zumeist aus holz oder kohlefaser angefertigt, mit reifen ausgestattet und mittels einer starrachse, einer art radaufhängung, die lenkung gewährleistet. relativ schnell entstanden seifenkisten-wettrennen, die auf leicht abschüssigen strecken vor allem in den usa und in europa ausgetragen wurden. festgelegte regeln wie bremsen, sturzhelme sowie standards für gewicht, gesamtlänge und radstand gelten bis zum heutigen tage. radikal verändert hat sich dagegen die art der herstellung für die nicht motorisierten fahrzeuge. dabei wurde vor allem der kreativität größtmöglicher freiraum eingeräumt, was sich heute in phantasievollsten konstruktionen und automobilen kunstwerken darstellt.
eine besonders ambitionierte und innovative seifenkisten-veranstaltungsreihe wurde vor rund sechs jahren von red bull ins leben gerufen. aus dem ersten „red bull seifenkistenrennen“, das in brüssel über die „straße“ ging, entwickelte sich eine beliebte rennserie, die mittlerweile in 22 ländern, von australien über südafrika bis nach finnland und portugal, ausgetragen wird. am 24. september findet nunmehr das 3. red bull seifenkistenrennen auch in wien statt. dabei gehen rund 70 teams an den start, um mit ihren schrillen und kreativen „rennkisten“ durch den gemütlichen kurpark oberlaa zu rasen. die rennstrecke ist mit 888 metern bemessen, die fahrzeuge dürfen höchstens 80 kilogramm schwer sein. da das gefälle rund zwölf prozent beträgt, tut man gut daran, als bremswerkzeug nicht auf hände und füße zu vergessen, wie der veranstalter betont. als sieger werden nicht nur die schnellsten teilnehmer gekürt, sondern auch jene mit den phantasievollsten seifenkisten. die „roten bullen“ prämieren geistesreichtum und tollkühnheit gleichermaßen und belohnen damit zwei tugenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber dennoch miteinander im einklang stehen.
helmut wolf
pool journal