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driving wasp
wer bei einer vespa von einem bloßen motorroller spricht, wird dem mythos dieses fahrzeugs auf gar keinen fall gerecht. vespa fahren hat vielmehr mit einer besonderen art zu denken, zu fühlen und zu leben zu tun. und das seit 60 jahren. heute schätzt man den eleganten stil des italienischen rollers mehr denn je.
„wenn ich sie mir ansehe, bekomme ich immer ein lächeln im gesicht.“ wer bei dieser aussage an eine liebeserklärung denkt, liegt durchaus richtig. doch handelt es sich hier nicht um einen liebesbeweis eines mannes zu seiner zauberhaften frau sondern um ein „unbeschreibliches gefühl“ zu einem liebevoll restaurierten motorroller: zur vespa. sie wird umsorgt, gestreichelt und sehr oft sogar mit einem namen versehen. selten werden zu einem fahrzeug solch innige beziehungen aufgebaut, wie zu diesem ganz außergewöhnlichen gefährt. seit jahrzehnten gilt die vespa als ausdruck gesellschaftlicher entwicklungen und unterschiedlicher zeitepochen. das aussehen und der name wurden der schlanken taille und dem lateinischen ausdruck für wespe entlehnt. das design war stets inbegriff italienischer ästhetik und eleganz und verkörpert das leichtfüßige „dolce vita“.
vor genau 60 jahren wurde die vespa vom flugzeug-ingenieur corradino d’ascanio im auftrag von enrico piaggio entwickelt und sollte anfangs ein einfaches und sparsames fahrzeug für alle menschen sein. in den 1950er jahren avancierte die vespa zum symbol des ökonomischen wirtschaftswunders, um dann in den 60er- und 70er-jahren schließlich zum stil-kräftigen „sprachrohr“ und statusobjekt der jugendgenerationen aufzusteigen. vor allem für die jugendszene der „mods“, abgekürzt für modernists, war das design des eleganten motorrollers sinnbild für ihr angestrebtes lebensbild zwischen humor und leichter arroganz. filmisch dokumentiert wurde die „fahrende vespe“ unter anderem im legendären kult-film „quadrophenia“, wo unter musikalischer begleitung von „the who“ hunderte, aufwendig „kostümierte“ vespas (und lambrettas) auf den straßen londons und brightons für aufsehen sorgten. noch heute spricht man vom so genannten „mod-style“, wie die aufwendig veränderten vespa-roller mit ihren zusätzlich angebrachten spiegeln und chromzubehör benannt werden. bei den heute regelmäßig stattfindenden vespa-treffen – den „runs“ – sind diese fahrenden kunstwerke übrigens zu begutachten. in den letzten jahren hat sich die neue, modifizierte vespa vom hersteller piaggio zu einem weiteren, großen erfolg entwickelt und gilt heute als beliebtes stadtfahrzeug. den wahren, authentischen kultcharakter vermitteln jedoch die älteren, raren modelle, die als verkörperung eines zeitlos schönen stils gelten.
helmut wolf
pool journal