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häufig gestellte fragen
deine pläne für die zukunft?
ich habe in der letzten zeit recht gut fuß gefasst, freue mich schon sehr auf die nächsten auftritte: die wiener staatsoper, speziell „covent garden“ in london im nächsten jahr und dann amerika im jahr 2008.
was bedeutet schönheit für dich?
ich bin im sternzeichen waage geboren und normalerweise lieben die waagen das schöne. als typische waage gefällt mir einfach alles, was schön ist.
für was nimmst du dir besonders viel zeit?
erstens: für meiner familie. zweitens: für meine besten freunde. und drittens liebe ich die abende. der abend ist etwas sehr schönes. abende, um mit menschen zusammen zu sein und über dinge zu reden, die nichts mit oper zu tun haben.
deine lieblingsoper?
es sind so viele, ich kann da keinen favoriten nennen. eigentlich liebe ich alle opern, in jeder sprache der welt. und ich bin sehr froh, dass ich die sprache der oper, die sprache der musik lesen kann - von bach bis zur 12-ton-musik. ich bin ja auch musiker. musik ist mein leben.
dein persönlich schönster, poesievollster satz aus einer oper?
aus der oper „la traviata“ der satz „io vivo quasi in ciel“ – der ein lebensgefühl „wie im himmel“ beschreibt.
io vivo quasi in ciel
ist klassische musik altmodisch oder zeitlos aktuell? wer sich dreihundert jahre alte, klassische konzerte anhört und gefallen daran findet, für den wird eine beurteilung nach modernität oder tradition wahrscheinlich keine große rolle spielen. der 25-jährige tenorsänger saimir pirgu verbindet jedenfalls sehr gelungen den brückenschlag zwischen klassischer musik und deren zeitgemäßer darstellung.
altmodisch, verstaubt, fad – klassische musik ist mit vielen attributen besetzt. zumeist wird klassik mit einer älteren generation und konservatismus in verbindung gebracht. es gibt viele menschen, die haben berührungsängste mit dieser art von musik. wer sich jedoch mit der intensität und emotionalen tiefe von musik im allgemeinen auseinander setzt, wird irgendwann mit sicherheit auf die klassik stoßen. davon ist auch der junge, albanische tenorsänger saimir pirgu überzeugt. mit seinen 25 jahren gilt pirgu nicht nur als großes, internationales tenorsänger-talent sondern auch als inbegriff für die gelungene verbindung zwischen alter musik und neuer interpretation. im nachfolgenden gespräch erläutert pirgu seine sicht über trends, über die poesie der opernbühne und die „innere stimme“, welche das publikum begeistern kann.

lieber saimir, woran erinnerst du dich am liebsten, wenn du an deine kindheit denkst?
eine besonders amüsante erinnerung an meine kindheit war jene, als ich mit sechs jahren an einer geige hantiert habe. der geigenkasten war wesentlich größer als ich. das hat mich beeindruckt und mich dazu veranlasst, mich näher mit ihm zu beschäftigen. ich erinnere mich noch sehr gut. ich empfinde dieses erlebnis als sehr prägend für meine spätere musikleidenschaft.

welche musik hast du als kind und jugendlicher besonders gerne gehört?
gehört habe ich zumeist leichte musik. gesungen dagegen habe ich früher immer albanische lieder, vor allem ursprüngliche volkslieder aus meiner heimat.

gab es ein bestimmtes ereignis, dass dich zur klassischen musik gebracht hat?
ja, das kann man so sagen. eines tages, im jahr 1995, habe ich auf dem italienischen fernsehsender rai ein konzert der “drei tenöre“ (josé carreras, placido domingo, luciano pavarotti, anm.) gesehen und gehört. dieses ereignis hat mich unheimlich fasziniert. daraufhin habe ich beschlossen, sänger zu werden. klingt eigentlich ganz einfach, oder? ich habe mir das konzert auf einem alten videorekorder, von denen es übrigens in albanien zu dieser zeit noch nicht so viele gab, aufgenommen und immer wieder und wieder angesehen. seit diesem abend gibt es eine fixe idee und einen lebensplan in meinem kopf.

opern und klassische musik werden bei jungen leuten zumeist als unmodern und antiquiert abgetan. wie beurteilst du als junger mensch diese aussagen?
ganz ehrlich muss ich sagen, dass man dies ja nicht ganz leugnen kann. aber auch junge leute werden älter, reifer, entdecken neue musikrichtungen. wer sich wirklich intensiv mit der musik, mit der kraft der musik auseinander setzt, wird eines tages automatisch bei der klassik und der oper landen. und wer die klassische musik einmal für sich entdeckt hat, dem wird sie ein ganzes leben begleiten. es braucht natürlich auch so junge sänger wie mich, um die oper wieder einer jungen, heranwachsenden generation näher zu bringen.

klassische musik wird schon über jahrhunderte gespielt, hat sozusagen viele moden und trends überlebt. ist klassik deiner meinung nach immer aktuell, zeitlos modern ... ?
es gibt moden und trends, die einige jahre anhalten und dann wieder von der bildfläche verschwinden. danach entwickelt sich wieder etwas neues. so war das bei der rockmusik, so ist das bei der rapmusik und auch daraus wird wieder etwas neues entstehen. wenn du dir aber beethoven, bach oder mozart anhörst, dann ist das etwas ganz anderes ... das ist eigentlich perfektion! wie die beatles übrigens ...

in verschiedenen arien, der oper schlechthin, singt man sehr leidenschaftlich über den schmerz, die liebe und die sehnsucht in sehr tiefgründiger art und weise? also alles dinge, die einem im „normalen“ leben nicht so leicht über die lippen kommen. was bedeutet für dich klassische musik, der tenorgesang als ausdrucksweise von gefühlen?
die oper gehört zur bühnenkunst, ist wahrscheinlich das schwierigste fach und in diesen drei bis vier stunden auf der bühne, musst du eine geschichte mit voller überzeugung sowohl spielen als auch singen können. wenn du jetzt nach den klassischen inhalten der oper und den ausdruck von gefühlen der damaligen zeit fragst, muss ich sagen: natürlich ist es manchmal schwierig, heutige gefühle in historische, alte geschichten zu stecken. schließlich leben wir opernsänger ja auch in dieser welt, werden von filmen, von büchern, den täglichen ereignissen inspiriert. aber wir können sehr gut diese verschiedenen epochen und dinge vereinen und daraus eine besondere kunst formen.

übernimmst du die poesie, die tiefgründigkeit der oper in gewissem sinne auch in dein tägliches, privates leben? im sinne von respektvollem umgang mit der umwelt, der gewählten umgangssprache usw.
um das libretto, das textbuch der oper, zu verstehen, muss man es zuerst verstehen lernen. man muss sich in diese welt hineindenken. umgekehrt versuche ich nicht all zuviel aus den opern in das leben zu übernehmen ... die oper soll auf der bühne bleiben.

ist die opern-bühne ein sehr romantischer ort?
... nein, ist sie nicht. sie ist ein schöner ort, ich liebe diesen platz, aber er ist mein arbeitsplatz, mein leben, aber romantisch … nein, romantisch ist der ort nicht. es ist ein magischer ort, das ja. und ich verstehe allmählich, warum die alten sänger sich so ungern von der bühne verabschieden können. es ist nicht leicht, sich von dieser magie zu lösen.

verändern einem eigentlich die prachtvollen bühnenbilder, die wallenden gewänder, die harmonievollen melodien im persönlichen lebensstil, im ästhetischen empfinden?
nein, ich liebe einen gewissen stil, das ja, aber es ist dennoch nur bekleidung für die bühne. in meinem leben bin ich ein junger mensch, der eher schaut, was die leute auf der straße heute tragen.

klassische musik stimmt sehr ruhig und zufrieden. könnte man klassische musik vielleicht auch als eine art gegenmittel zu gewalt und aggressivität bezeichnen?
in gewissen spitälern wird klassische musik verwendet, um ärzte und patienten zu beruhigen. das funktioniert wohl. aber in der klassik gibt es nicht nur ruhe, es gibt auch unwetter, gewitter, stürme ...

die stimme kommt aus dem innersten, aus der seele. was bedeutet es für dich, mit deiner „inneren stimme“ nach außen vor so viele menschen zu treten und dich zu offenbaren?
es ist ein spezielles, fast unbeschreibliches gefühl. nach der vorstellung hörst du zufriedenen applaus. es ist nicht nur unsere pflicht, die menschen mit unserer stimme zu begeistern. wenn das publikum zufrieden ist, geht ein künstler glücklich nach hause. angst und lampenfieber werden verdrängt vom glücksgefühl, das man den menschen geben kann.
helmut wolf
pool journal