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häufig gestellte fragen
was inspiriert dich?
ich wünschte mir, ich wüsste es! zur zeit bin ich überhaupt nicht inspiriert, ich versuche aber mein bestes zu geben.
wie lautet deine lebensphilosophie?
diese ist so berühmt, dass sie nicht ausgesprochen werden muss ...
welche musik hörst du am liebsten?
ich höre musik eigentlich nur in meinem auto und da ausschließlich den sound von „the stooges“ und von „cat power“. ansonsten musiziere ich selbst.
was ist besonders wichtig für dich?
die richtige ausübung von meinem ...?
dein lieblingsplatz?
der schlimmste ort könnte mein lieblings-ort sein ... natürlich könnte ich mich aber auch an einem wundervollen ort furchtbar fühlen, beispielsweise wenn es mir gerade ganz beschissen geht.
dein alter? 51
dein lieblings-outfit?
alle apc-outfits sind meine favoriten! durchschnittliche sachen habe ich sowieso nicht in meinem schrank.
apc des stils
auf den ersten blick sieht alles ganz einfach, ganz schlicht aus. soll es ja auch, betont jean touitou, gründer und inhaber des französischen lifestyle-labels a.p.c. doch irgendwie wirkt alles ganz besonders, verfügt über eine ansprechende ästhetik. man könnte sagen „typisch französisch“, jedoch stammt toutiou ursprünglich aus tunesien, und auch die produkte vermitteln internationalität ...
zeitlos-coole pullover, shirts, hosen und accessoires, viele jeans, gedeckte farben und hochwertige materialien beherrschen das bild. alles sehr minimalistisch, ein hauch von chic schwebt mit. aber was ist daran wirklich besonders? wer den zweimal jährlich erscheinenden mailorder-katalog des französischen lifestyle-labels a.p.c. durchblättert, dem wird möglicherweise erst auf den zweiten blick das spezielle feeling, das ästhetische flair bewusst. das besondere olivenöl aus tunesien, die duftkerzen, der ausgesuchte fotoband oder ein musikalbum des arabisch-französischen künstlers lili boniche, dargestellt zwischen simplen taschen, gürteln, schuhen und mänteln, vermitteln eine sehr emotionale, ästhetische sichtweise auf das leben.
firmengründer und inhaber jean touitou geht es in seinem bestreben um eine generelle vielfalt. sowohl in bezug auf das soziologische denken der menschen als auch in bezug zu kleidung und lebensstil. „atelier production creation“ so der ausgeschriebene titel von a.p.c., entwirft zwar im kern bekleidung, den mehrwert des produkt-portfolios bilden aber ausgesuchte, besondere dinge, die sich allesamt ergänzen und ineinander fügen. besonders die verbindung zwischen mode und musik war touitou schon immer ein großes anliegen gewesen. unter dem hauseigenen label werden deshalb jedes jahr drei selektive musikalben lanciert. dabei reicht das „special edition“-spektrum von vinyl-aufnahmen „unreleasable tapes“ von sofia coppola oder marc jacobs bis zu nummerierten ausgaben mit ausgesuchten world/dub-nummern oder dem exotischen „havanna-mood“-album, produziert vom freund touitous, bill laswell. auch der kreative austausch mit renommierten fotografen gehört zum beständigen prozess. dazu gehören eine reihe innovativer fotokünstler wie beispielsweise jean-baptiste mondino, takashi homma, ellen von unwerth, pierre bailly oder marianne chemetov. ebenso wichtig ist die kontinuierliche zusammenarbeit mit avantgardistischen modedesignern, die sich mit eigens angefertigten spezial-kollektionen in das a.p.c.-angebot mit einbringen. als „design-gäste“ konnte man seit gründung des labels im jahr 1987 unter anderem xuly bet, anna sui, eley kishimoto, peggy huyuh kinh oder gille raysee begrüßen.
jean touitou, der sein label mit dem velvet underground-song „sunday morning“ oder einem traurigen, italienischen film umschreiben würde, erläutert im nachfolgenden gespräch seine gedanken zu zeitlosigkeit, individualität, und warum schöne orte auch ganz schrecklich sein können.

jean, woher kommst du?
geographisch gesehen komme ich aus der stadt tunis in tunesien.

hattest du eine schöne kindheit und glaubst du, hat dich dein umfeld, deine umgebung in deinem empfinden für musik, mode und lebenskultur geprägt?
ich hatte eine wirklich schöne kindheit – zumindest empfinde ich es so. ich glaube auf jeden fall, dass meine umgebung meine derzeitige aktivität im positiven sinne beeinflusst hat.

möchtest du die menschen mit deiner mode „schöner“ machen?
ja, absolut! ich liebe es, menschen mit meiner mode zu verschönern.

wie würdest du generell die grundphilosophie von a.p.c. umschreiben?
„verarscht uns nicht“

a.p.c.-mode ist sehr klar, sehr simpel mit standardfarben und –schnitten, jedoch sieht alles immer sehr modern und zeitlos aus. inwieweit lässt sich modische zeitlosigkeit in unserer schnelllebigen konsumzeit umsetzen?
es ist natürlich sehr schwierig zeitlos zu sein und ebenso erfolg zu haben. ich ziehe jedenfalls zeitlosigkeit, schlechtem geschmack vor.

die globale uniformierung schreitet voran. in jeder stadt der welt dasselbe bild. hat der individualismus noch eine chance auf den globalen märkten?
also ich kann nur sagen, dass mir dieser globalisierte weltstaat eigentlich völlig egal ist. außerdem bin ich der meinung, dass es sehr wohl noch die vielen individuellen eigenheiten und charaktere auf dieser welt gibt – auch wenn viele anderer meinung sind. die einzigartigen orte mit ihren spezifischen merkmalen existieren noch, und das genieße ich sehr. globalisierung ist eigentlich nur ein äußeres, eher oberflächliches erscheinungsbild. es war immer schon schwierig, eine persönliche note zu entdecken, unabhängig vom existieren eines weltstaates!

wie ist es für individualistisch gesinnte menschen möglich, einen eigenen stil abseits des massengeschmacks zu kreieren, ohne gleich als außenseiter zu gelten?
einen ganz persönlichen, individuellen stil konsequent durchzuziehen bedarf natürlich immer einer gewissen stärke an selbstvertrauen. damit bewegt man sich ständig auf einer gratwanderung, die zwar schwierig, aber durchaus zu schaffen ist. außerdem ist der individuelle style sehr erfrischend.

heute finden wir eine massive billig- und dumpingkultur, in der viele dinge wertlos erscheinen. wie könnte man die dinge wieder aufwerten, ihnen sozusagen „mehrwert“ geben?
nur wenn man hysterisch auf den vorherrschenden schlechten geschmack reagiert (??!) „this is the end, but soul still existists!”

ethno/world-musik und ausgesuchte dinge wie spezielle bücher, kerzen, olivenöle etc. haben von jeher einen großen stellenwert in eurer unternehmensphilosophie eingenommen. möchtest du eine ganz spezielle lebenskultur formen?
ehrlich gesagt kann ich das wort „ethno“ in bezug auf diesen musikstil nicht ausstehen. „ethno“ ist für mich eher ein begriff, der in der wissenschaft verwendet wird. aber zu deiner frage. also ich möchte mit unseren unternehmen ganz und gar nicht eine spezielle lebenskultur formen oder kreieren. wenn ich etwas entdecke, das in einer besonderen art sehr wertvoll und einzigartig ist, dann ergreife ich es und versuche dies den menschen nahe zu bringen. egal ob ein schönes buch, ein interessantes kleidungsstück, ein herrliches olivenöl oder ein spannender musikstil.

eure produkte werden auf verschiedenen kontinenten angeboten: in europa, asien und den usa. wo liegen die großen unterschiede im kaufverhalten der konsumenten?
das kann ich so konkret nicht sagen ..., das weiß ich nicht. es gibt zwar bestimmte aspekte, die sich in den verschiedenen ländern stark ähnlich sind, grundsätzlich haben die menschen jedoch ihre eigenheiten und sind sehr unterschiedlich.
helmut wolf
pool journal