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just a piece of paper ...
langsam schwebt der papierflieger durch den schulklassenraum. mit einer sanften landung neben dem lehrertisch bremst sich das gefaltete blatt papier ein und löst ein zufriedenes lächeln des papierflieger-konstrukteurs aus. ein szenario, das sich seit jahrzehnten in vielen schulen dieser welt täglich zuträgt und damit einer über 1000 jahre alten tradition folgt.
als im jahr 1967 in der new york times ein ganzseitiges inserat zum ersten internationalen papierfliegerwettbewerb aufrief, waren es rund 12.000 modelle, die zumeist in cornflakes-schachteln aus aller welt eingesandt wurden. es waren aber nicht nur privatpersonen und hobbybastler, welche hier ihrer papierflieger-leidenschaft frönten, sondern auch etliche professionelle luftfahrtsbedienstete, die an dem wettbewerb ihre erkenntnisse „entfalten“ konnten. der erste platz im „kunstflug“ ging dann entsprechend an einen luftfahrtpionier und flugkapitän der us-navy. dass papierflieger vorbildwirkung bei der entwicklung echter flugzeuge haben, wurde durch den flugzeugkonstrukteur jack northrop bewiesen. dieser hatte in den dreißigerjahren mit speziell geformten papierfliegern flugeigenschaften getestet und damit die grundlage für den legendären tarnkappenbomber b-2 gelegt. wer sich mit der geschichte des papierfluges auseinandersetzt, wird sogar auf eine mehr als tausend jahre alte historie treffen. so wurden in china papierflieger mit scharfen spitzen als waffen eingesetzt, auch leonardo da vinci experimentierte mit pergamentflugzeugen. in den letzten jahren wurde der „papierfliegerei“ nun auch in der öffentlichkeit mehr augenmerk (und papier) geschenkt. als ken blackburn im überdachten georgia dome-footballstadion in atlanta vor acht jahren seinen papierflug-weltrekord in der längsten flugzeit aufstellte (27,6 sekunden), war ihm nicht nur ein eintrag im guiness-buch der rekorde sicher sondern auch ein beitrag im fernsehsender cnn.
ein weiteres highlight in sachen papierflug-wettbewerb bilden nun auch die „red bull paper wings“, deren welt-finale am 6. mai im salzburger hangar-7 stattfindet. dabei treffen papierflieger-piloten aus aller welt aufeinander, um die bestehenden rekorde zu brechen. geflogen wird in den drei disziplinen größte weite (bisher 58,82 meter), längste flugzeit und kunstflug. die papierflieger dürfen dabei ausschließlich aus einem vor ort zur verfügung gestellten blatt papier - standard a4 format, 80 gramm - konstruiert werden. reißen, kleben, schneiden, stapeln oder ballast ist nicht erlaubt. alle teilnehmer müssen während des versuchs mit beiden füßen fest auf dem boden stehen und davor nur einen schritt machen. wer papierfliegen nicht nur gerne im privaten praktiziert, kann sich hier mit den weltbesten „paperwings“-piloten matchen. kleiner tipp vom derzeitigen langzeit-rekordhalter ken blackburn: üben und nie aufgeben!
helmut wolf
pool journal