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from lobo to globo
es war 1996, als ich, exakt 502 jahre zu spät, mit meiner persönlichen eroberung von ipanema beginnen wollte. nur leider musste ich schon am flughafen in rio de janeiro feststellen, dass die einheimischen siedler mehr als nur dazu gelernt hatten und sich ungebeten eines teils meines gepäcks bemächtigt hatten. jedoch war dieser verlust die einzige unannehmlichkeit, die es zu verzeichnen gab ...
aber was soll es schon für unannehmlichkeiten geben in einem land wie brasilien, deren „laissez faire“-kultur und lebensfreude einfach zu ansteckend sind. im gepäck hatte ich auch ein paar mixtapes mit brasilianischer musik von tom jobim, elis regina und edu lobo. letztgenannter edu lobo sollte mir noch einmal an anderer stelle vor augen führen, dass die brasilianer nicht nur in der etablierung des monokini, einer art bikini, äußerst sensibel zur sache gehen. um es offen zu sagen, wurde mir dies erst mangels balkon und guter aussicht durch das umfangreiche tv-programm bewusst. mit brasilianischem fernsehen verband ich bis dato immer die lieblingsserie meiner rührseligen großmutter erika. sie war ein fast täglicher gast des leidvollen wegs der „sklavin isaura“. aber als ich zum ersten mal die optische aufmachung mit beeindruckenden visuals und trailers des größten südamerikanischen tv-senders „globo“ sah, wähnte ich mich eher mit der bildsprache von mtv konfrontiert als mit telenovelas, den südamerikanischen daily soaps. teilweise verantwortlich für diese lebendige ästhetik war eine design- und multimediaagentur, die sich nach eben diesem star des musik-lables „elenco“ (einem der wichtigsten bossa nova - musiklabels), edu lobo, benannt hatten. mateus de paula santos ist dabei der gründer und creative director dieser seit 1994 in sao paulo etablierten designschmiede „lobo“. unter seiner mit viel esprit und visionärem eifer geführten regie wurde die brasilianische kreativwerkstatt in kürzester zeit zu einer der international gefragtesten designfirmen. dabei wurde das gründungsmotto, spass zu haben und dabei zu arbeiten, bis dato konsequent weitergeführt.
das spektrum der visuellen arbeit umfasst alle bereiche - von traditioneller 2d-animation, stop motion-animation bis hin zu multimedialen 3d-animationen. die dreidimensionale umsetzung der konzepte wird durch die partnerfirma „vector zero“ realisiert. beide gehören jedoch seit 2003 zur amerikanischen „the ebeling group“ und werden von dieser auch weltweit repräsentiert. mit unzähligen aufträgen für panasonic, sony, microsoft und vielen anderen hat sich „lobo“ zu einem synonym für eine markante „cutting edge“-kultur entwickelt. insbesondere die dvd-präsentation für die diesel frühling/sommer-kollektion im jahr 2004 mit einer famosen visualisierung des themas „lost paradise“ brachte den weltweiten durchbruch. aktuelles beispiel der innovativen arbeit ist eine für coca-cola designte aluminiumflasche, die in limitierter auflage bei ausgewählten veranstaltungen vertrieben wird. unter der interpretation des begriffs „optimismus“ schafft es lobo, eine korrespondierende melange aus mechanischen und organischen elementen zu kreieren, die auch einen appell an ein größeres umweltbewusstsein in zeiten der technologisierung symbolisieren soll. der getränkebranchen-primus aus atlanta coca-cola geht mit diesem sehr ambitionierten projekt zum ersten mal neue wege, was die kommunikation anbelangt und lenkt den fokus in eine deutlich künstlerische richtung – weg vom massenmarkt, hin zum anspruchsvollen individuum. lobo ist eine von fünf ausgewählten designagenturen, die in diesem „love being“-projekt involviert sind. darüber hinaus umfassen die entwürfe neben dem flaschendesign auch kurzfilme und speziell ausgewählte musikstücke, die das gesamtkonzept auf charmante weise kompletieren.
zurück zu 1996 - ich war seit damals leider nicht mehr in südamerika. nicht dass ich meine eroberungspläne enttäuscht aufgegeben hatte, nein. ich habe wohl eher aus logistischen gründen ipanema nach ibiza verlegt. und ab und zu höre ich am strand von sa trinxa auch noch das wirklich sensationelle „aquaverde“ eines gewissen edu lobo.
christian michalski
pool journal