14
 
   
photo: cathrine stukhard
guardian of the lost treasure
evelyn und ike ikrath haben mit dem haus hirt ein hotel und alpine spa der sonderklasse geschaffen. eine faszinierende mischung aus modernem zeitgeist und klassischer gastlichkeit erwartet die gäste in bad gastein.
bad gastein – das ist der geist der belle epoche, als noch kaiserin sissi und zahlreiche andere gekrönte häupter hier urlaubten. oder sollte man besser sagen: das war der geist der belle epoche? kein anderer tourismusort in österreich hat so viele höhen und tiefen hinter sich gebracht, wie das in den salzburger alpen gelegene gasteinertal. schon von den römern wegen seiner heilkräftigen quellen gerne aufgesucht, erlebte der ort in der monarchie seine glanzzeit. in den eindrucksvollen grand hotels direkt am wasserfall traf sich europas high society. prunk und luxus dominierten das urlaubserlebnis: rauschende ballnächte, glanzvolle empfänge im casino – bad gastein war das monte carlo der alpen. einen status, den das gebirgstal nach den beiden weltkriegen nie mehr erreichen konnte. im gegenteil: in den grand hotels waren lazarette für kriegsversehrte eingerichtet, auch die besatzer nahmen nur und gaben kaum. erst mit dem beginn der staatlich unterstützten kuraufenthalte glaubte man in gastein wieder an den aufschwung. außerhalb des historischen ortskerns wurden moderne hotelanlagen aus dem boden gestampft – ein architektonisches erbe, mit dem bad gastein heute ebenso zu kämpfen hat wie mit den hotelruinen aus der „guten alten zeit“. dass sich zahlreiche investoren – von japanischen firmen, die das tal zum „friedhof für reiche“ machen wollten bis zu heimischen glücksrittern – an der zukunft gasteins versuchten, änderte nichts daran, dass sich der ort noch immer nicht von seinen multiplen vergangenheiten erholt zu haben scheint. noch immer sehen manche hotels aus, als wären besitzer, mitarbeiter und gäste fluchtartig abgereist. hinter zerbrochenen scheiben erahnt man noch ein stück vom alten glanz – aber vor allem sieht man, wie lange er schon vorbei ist.
in dieser umgebung ein ausnahme-hotel zu schaffen, ist zweifellos noch höher anzurechnen als an anderen orten der welt. evelyn und ike ikrath haben sich dieser aufgabe gestellt – und gewonnen. ihr hotel hirt gilt als aushängeschild der generation, die bad gastein eine neue zukunft schenken soll. an einem steilen hang entlang der kaiserpromenade gelegen, macht das haus das beste aus seiner privilegierten lage. sonnenexponiert, das ganze tal und die nahen alpengipfel im blick, ist das hotel perfekt positioniert. einst refugium vieler berühmter künstler wie thomas mann und stefan zweig, ist es heute vor allem bei modernen freigeistern beliebt. seinen namen hat sich das familiär geführte vier-sterne-hotel vor allem durch empfehlungen gemacht. nicht zuletzt, weil es auch eine wirkliche empfehlung ist: aufmerksamer, aber dezenter service, die perfekte mischung aus community und intimacy, eine herrliche umgebung die zu vielen freizeitattraktionen einlädt – und nicht zuletzt ein kleiner, aber feiner alpine spa, in dem sich der alltag schnell vergessen lässt. das heilkräftige thermalwasser gasteins trifft hier auf jahrtausende alte asiatische behandlungsmethoden – oder die wohltat der vollkommen natürlich hergestellten kosmetikprodukte von aveda. spezielle wohlfühlangebote, zum beispiel für werdende mütter, bringen das persönliche engagement der hotelführung und seiner mitarbeiter zum ausdruck. auffallend geschmackvoll auch die einrichtung des alpine spa’s – wie des ganzen hotels. des rätsels lösung: ike ikrath war schon als architekt erfolgreich, als ihn die liebe zu evelyn, der tochter einer gastronomenfamilie, ins gasteinertal führte. seine profession und passion ist in allen teilen des hotels zu erkennen. von den 30 zimmern mit ausblick bis zur lounge, dem kaminzimmer mit aussicht oder dem restaurant. hier verwöhnt koch helmut tscherne mit einer leichten, kreativen küche, die auf gesunden zutaten aus der region basiert. die aufmerksame servicedirigentin im hintergrund ist evelyn ikrath, der die richtige mischung aus „sich kümmern“ und den gast in ruhe genießen lassen scheinbar in die wiege gelegt wurde. denn manchmal ist es im haus hirt angebracht, einfach nur die magischen momente zu genießen: wenn im frühling die sonne auf der panoramaterrasse wärmt, wenn beim abendessen die lichter von bad gastein zu den füßen der gäste funkeln – dann ist plötzlich klar, dass der hirte im logo des hotels gut daran tut, diesen verlorenen schatz zu hüten. bis zum nächsten besuch und noch viel länger!
martina müllner
pool journal