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play loud
beim fußball hört sich der spaß auf. oder doch nicht? sicher ist nur, dass die sportart fußball weit mehr ist als das bloße, neunzigminütige herumjonglieren eines runden lederballes. millionen von fußballfans können schließlich nicht ganz irren. ebenso inspiriert fußball kreativität und visuelle design-kultur, was zu ungewöhnlichen darstellungen führt.
„das ist ja nur ein spiel!“ wer sich mit solch` einer aussage vor einer runde eingefleischter fußballfans sozusagen „im ton vergreift“, muss mit einer höchst emotionalen reaktion rechnen - egal ob in spanien, australien oder der elfenbeinküste. fußball ist weit mehr als ein spiel und eine sportart. um es ein wenig pathetisch zu formulieren: das fußballfeld ist vielleicht der letzte platz auf unserer erde, wo soziales miteinander und gesunder ehrgeiz einhergehen können. es herrschen klare, nachvollziehbare regeln, gemeinschaftlicher teamgeist und fairness wird ganz groß geschrieben. wer sich einem dieser gesetze entgegenstellt, wird zuerst verwarnt, danach „ausgeschlossen“ und hat dann - nach einiger bedenkzeit - wieder die möglichkeit, „resozialisiert“ in der mannschaft einzusteigen. eigentlich ein perfektes programm für gesellschaftliche koexistenz. ebenso wird das vor ort zusehende publikum zum idealbild grenzüberschreitender, soziologischer lebensformen. da schreit, fiebert, ärgert, freut, lacht und weint der großbürgerliche aristokrat gemeinsam mit dem fabrikarbeiter, werden soziale abgrenzungen zwischen den milieus plötzlich völlig unwichtig, gibt es nur ein einziges ziel: nämlich den triumph, den sieg, erzeugt durch hart erarbeitete, spielerische überlegenheit der „geliebten“ mannschaft. dabei wird eine dynamik, eine energie erzeugt, die nur selten in anderen kulturellen ausdrucksformen zu erreichen ist. zwischen himmelhoch jauchzend und zu tode betrübt liegen oft nur sekunden, wird über sein oder nichtsein (in den wettbewerben) entschieden. fußballspiele bewegen oft nicht nur das fan-publikum im stadion, sondern bewegen ganze städte, ja ganze nationen. „nur einmal möchte ich bei einem stück jene begeisterung entfachen, die bei einem fußballspiel entsteht,“ hat der theaterdirektor und regisseur claus peymann diese faszination ausgedrückt. beim fußball gibt es keine gleichgültigkeit. schon gar nicht bei den fans, deren unwiderrufliche liebe zu der mannschaft sich unterschiedlichsten „bekundungen“ wie fan-chöre, choreografien und modischer statements äußert.
auch was die schöpferische energie des fußballs anbelangt, so haben sich in den letzten jahrzehnten eine reihe aussagekräftige stile und codes entwickelt. jedes land, jede stadt, jeder klub hat dabei seine eigene visuelle ästhetik geformt, immer unter berücksichtigung der herkunft und tradition des jeweiligen klubs. dies äußert sich in vielen innovativen werbekampagnen, postern, grafiken, logos und designs, die nun in einer auswahl in form eines sehenswerten sammelwerks erschienen sind. unter dem buchtitel „play loud“ (die gestalten verlag) wird dem fußball anhand sensibel ausgesuchter und dargestellter visuals nicht nur große bedeutung im sport sondern auch in der einflussreichen „creative industry“ bescheinigt. ein fußballbuch - nicht nur für fans.
helmut wolf
pool journal