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photos: the african game courtesy of puma / andrew dosunmu
colourful game
begeisterung, leidenschaft und große lebensfreude prägen den afrikanischen fußball. im gegensatz zu europa zeigt sich die liebe zum runden leder auf dem afrikanischen kontinent viel tief gehender und weit verzweigter mit dem täglichen leben. der ball vereint, verbindet und trägt zur gesellschaftlichen identität bei. das ausgezeichnete buch the african game nähert sich dieser bunten mischung aus leben und fußball mit sensibel aufbereiteten visualisierungen und essays.
straße und fußballplatz sind in afrika oft eins. man nimmt es einfach nicht so genau, warum auch? der rollende ball auf der strasse wird von den autofahrern nur mit einem milden lächeln quittiert, freie flächen in den gassen werden rasch in fußballplätze umfunktioniert, aus der hausmauer wird schnell ein tor und das meer beim strandfußball an der afrikanischen elfenbeinküste zur imaginären „out-zone“. sowohl im leben als auch beim kick am straßenrand oder dorfplatz gilt das motto: freude haben und gemeinsam sein, warum trübsal blasen, verlieren gibt es ja nicht zu viel. afrika gilt gemeinhin nicht als reicher kontinent - im gegenteil - armut und soziales elend sind in fast allen staaten afrikas präsent, elementare mittel und rückhalt vom staat, wie es die länder in europa garantieren, sind nicht zu erwarten. jedoch zeigen die menschen gerade dabei eine besondere form des lebenswillens, gespeist aus tradition und ursprünglicher kultur der vorfahren. man besinnt sich der eigenen werte, lebt eher im einklang mit der (kargen) natur und lässt der resignation oder depression keine entfaltungsmöglichkeit. umso mehr entfaltung zeigt sich bei den menschen beispielsweise beim fußball, der in afrika in den letzten jahren eine besonders enthusiastische note erfahren hat. diese rassige und schnelle spielkomponente ist – ähnlich dem südamerikanischen fußball – in hohem maße auf den großen willen, der armut zu entkommen, zurück zu führen. das lokale fußballstadion mutiert dabei zum schmelztiegel des kulturellen und gesellschaftlichen lebens. wenn die nationalmannschaft spielt, gleicht der austragungsort einem volksfest. ganze familien, kinder und ältere menschen pilgern zum stadion, um die heimmannschaft mit lauten gesängen und traditionellen musikinstrumenten zu unterstützen. vor allem optisch ist das bild der menschen ein buntes mosaik aus leuchtenden trachten, wallenden gewändern oder trikots der jeweiligen mannschaft. auch die körperbemalung, entlehnt aus ursprünglichen stammesritualen, spielt in der afrikanischen fan-choreographie eine große rolle. für den europäischen besucher ein wahrer augen- und ohrenschmaus, sowohl am fußballfeld als auch auf den stadionrängen.
mit sehr viel feingefühl hat nun ein buch diese besonders emotionalen impressionen des afrikanischen fußballs und lebens festgehalten. unter dem titel „the african game“ haben der nigerianische fotograf andrew dosunmu und der amerikanische journalist knox robinson im auftrag der sportmarke „puma“ einen ganzheitlichen blick auf die eng verwobenen verknüpfungen des fußballs mit der zeitgenössischen afrikanischen kultur und identität geworfen. schauplätze dieser wunderbaren visuals waren die afrikanischen länder kamerun, senegal, elfenbeinküste, togo, angola, ghana, tunesien und ägypten, deren nationalmannschaften im übrigen alle von puma ausgestattet und unterstützt werden. dabei haben dosunmu und knox aber nicht nur die nationalteams beleuchtet sondern haben sich auch auf den in afrika besonders ausgeprägten streetsoccer-style konzentriert sowie die enge verbindung zu traditionellen kulturen und bräuchen in form von interviews und essays thematisiert. parallel zum buch gibt auch eine african music-cd unter dem gleichnamigen buchtitel mit insgesamt 14 nummern ausgesuchter world-music-interpreten. der erlös des buchverkaufs kommt - entsprechend des anspruchs von puma den afrikanischen fußball und deren menschen zu unterstützen – der non-profit-organisation „grassroots soccer“ zugute, die sich dem kampf gegen aids verschrieben haben. fußball in afrika – ein spiegelbild des lebens und der kulturen.
helmut wolf
pool journal