13
 
   
legends and passion
erinnern sie sich noch daran, wie sie mit staunenden augen den geschichten ihrer großeltern lauschten - wie sie den sonoren stimmen, die ein leben voller erinnerungen verhießen, gebannt folgten? erinnern sie sich noch? es sind immer einzelne ereignisse und personen, mit denen wir so gerne einen nostalgischen blick zurück wagen, fasziniert von leidenschaften, großen tragödien und winzigen zufällen, die ein ganzes leben verändern können und träume zum leben erwecken.
gerade diese einzelnen prämissen lassen die zeit unvergänglich erscheinen und man hat den wunsch, teil dieser ereignisse, teil der geschichte zu werden. die uhr ist als sinnbild all dessen zu betrachten. als reflexion der eigenen historie ermöglichen die meisten renommierten hersteller den trägern ihrer uhren erlebbare geschichte.
man schrieb das jahr 1815, in dem napoleon aus elba zurückkehrte und der wiener kongress eine territoriale neuordnung europas vornahm, bei der auch große teile sachsens an preußen fielen. darunter war nicht die sächsische hauptstadt dresden, in der im selben jahr ein junge geboren wurde, welcher 30 jahre später in glashütte den grundstein für die weltgeltung deutscher uhrmacherkunst legen sollte. der name dieses uhrenmachers, dessen söhne und enkel trotz wechselvoller geschichte - darunter die enteignung der uhrenmanufaktur 1948 und deren wiedereröffnung 1994 - den ruf des unternehmens aufrechterhielten - war ferdinand adolph lange. dieses wirken wird durch die auflage einer uhr gewürdigt, die das alte ideal vom einfachen, aber vollkommen mechanischen zeitmesser widerspiegelt. diese uhr erinnert an das geburtsjahr des gründers, 1815. „ein rechter mann adelt sich selbst“ hat adolph lange einmal gesagt, als er den vom sächsischen hof angetragenen adelstitel dankend ablehnte. und dies ist auch bis heute noch ausdruck der distinguierten zurückhaltung, mit der sowohl die firma a.lange&söhne als auch deren kunden auftreten.
diese zurückhaltung war einem abenteurer, mit sinn für geschmack und ästhetik, mit einem faible für die physik und die mechanik und dem festen willen, mehr zu erreichen als alle anderen pioniere der luftfahrt vor ihm, fremd. am 13. september 1899 schaffte es dieser brasilianer alberto santos-dumont, mit seinem luftschiff nr. 3 als erster den eiffelturm zu umrunden und mehr als 23 stunden in der luft zu bleiben. ihm zu ehren kreierte sein freund louis cartier 1904 eine der ersten modernen armbanduhren, welche es santos-dumont ermöglichte, auch während des fluges, die zeit abzulesen. damit verlieh cartier der uhrmacherkunst einen impuls, der bis heute nachhaltig wirkt.
der abenteuergeist dieser zeit wurde jedoch nicht nur durch männer geprägt. es muss ein düsterer und diesiger morgen gewesen sein, als am 7. oktobers 1927 eine unscheinbare büroangestellte aus london, begleitet von einem kleineren fischkutter, in knapp 15 1/2 stunden die grenze zweier länder überwand. als erste durchquerung des ärmelkanals, durch die junge schwimmerin mercedes gleitze, ging dieses ereignis in die geschichte ein. an ihrem arm trug sie die erste wasserdichte uhr der welt, die der deutsche visionär hans wilsdorf für seine damals noch englisch/deutsche firma namens rolex - was vermutlich ein kürzel aus horlogerie exquise ist - entwickeln ließ. diese „rolex oyster“ ist bis heute sinnbild für leidenschaft, zuverlässigkeit und sportliche eleganz. das schicksal einer anderen dame sollte im selben jahr - nur wenige tage später – besiegelt sein. wilhelmina „mimi“ bucherer-heeb, die junge und charmante frau des luzerner unternehmersohns carl f. bucherer, war eine der stilikonen ihrer zeit. sie befand sich auf der rückreise von genua nach buenos aires, als am nachmittag des 25. oktober 1927 die „principessa mafalda“ leck schlug und es zur größten schiffskatastrophe vor der brasilianischen küste kam. im tresor des untergegangenen schiffes lagerte dabei auch mimis uhr, eine der ersten eigens für damen kreierten armbanduhren überhaupt. ihr zu ehren widmete in diesem jahr die firma carl f. bucherer eine auf 70 exemplare limitierte damenuhrserie in einem modern interpretierte art-déco-stil. im inneren der uhr befindet sich dabei ein originalformwerk aus den 20er jahren, das den geist und den spirit dieser faszinierenden persönlichkeit wider aufleben lässt.
diesem prinzip folgt auch eine weitere schweizer uhrenfirma, die sich bis zum heutigen tage einem ganz anderen thema verschrieben hat. am ersten sehr kalten tag des jahres 1945 wurde in einem unscheinbaren haus der brüssler altstadt ein junge geboren, dessen beschwerliche geburt das einzige in seinem leben bleiben sollte, was nicht von schnelligkeit und tempo geprägt war. über erfolge bei belgischen motorradmeisterschaften und in der formel 2 gelang ihm mit 23 jahren, als einer der jüngsten fahrer der formel eins geschichte, der erste sieg für die scuderia ferrari. diese leidenschaft für den rennsport setzte sich mit unzähligen preisen fort, von den 24 stunden von le mans bis hin zur ralley „paris – dakar“ die er 1983 mit dem schauspieler claude brasseur gewann. der name dieses mannes, dessen mythos die firma tag heuer 1972 mit einer eigenen uhr, dem easy rider chronographen, würdigte, war jacky ickx.
man denkt an leidenschaft und inspirierende legenden, wenn man die namen all dieser manufakturen hört. sie schaffen das bewusstsein, dass vergänglichkeit weiter bestehen kann, dass vergangenes auch immer die gegenwart prägt.
christian michalski
pool journal