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arbeiten mit freunden
außergewöhnlich ist nicht nur die lage des züricher shops „the gloss“. im sogenannten industriequartier der stadt gelegen, unter einer transitstraße, „umzingelt“ von alten maschinenfabriken, finden streetwear-ästheten und original-fans ein ausgesuchtes, feines markensortiment auf höchstem niveau.
„eigentlich ist der laden eher mein hobby“, meint patrick peritz zur intuition des streetwear-stores „the gloss“, welchen er vor rund drei jahren gegründet hat. diese grundsätzliche leichtigkeit spürt der besucher auch sofort, wenn er das geschäft betritt. das angenehme flair vermischt sich mit der hingabe der mitarbeiter zu jenen marken, die eine besondere geschichte aufweisen: adidas, nike, silas, zoo york, paul frank, zimtstern, ymc, levi’s red, lvc, freitag usw. verströmen kontinuität und modernität gleichzeitig. the gloss unterstützt innovative projekte und bewegt sich erfolgreich auf dem grad zwischen außergewöhnlichem und kommerziellem. „wenn die mädchen gerne stilletos tragen, gut, dann bieten wir das halt auch an, bei uns aber beispielsweise in kombination mit einem tracksuit von adidas“, meint peritz. immer auf höhe der zeit sein, aber doch etwas anders liegen - darin liegt die kunst des besonderen!

welche motivation, welche beweggründe habt ihr, menschen mit bekleidung auszustatten und dafür täglich in einem geschäft zu stehen?
unsere herausforderung ist es, in zürich jene marken und jenes damit verbundene lebensgefühl anzubieten, welches es sonst nur in metropolen wie london, new york und tokio zu finden gibt.

mode ist neben musik, sport, kunst usw. teil eines gesamtheitlichen lebensstils. wie sollte ein modeladen auf diese ganzheitliche sichtweise der konsumenten reagieren?
„the gloss“ stellt eigentlich alles das dar, was wir auch gerne mögen. wenn uns also beispielsweise die arbeit eines künstlers gefällt, dann laden wir ihn zu uns ein, und er kann bei der ladengestaltung mithelfen, er kann produkte mitgestalten oder shootings organisieren. eigentlich arbeiten wir nur mit freunden zusammen - und das macht wirklich spaß. der shop soll sozusagen nicht nur ein reines konzept darstellen, sondern vielmehr aus diesem lebensgefühl heraus entstehen, ein teil davon zu sein.

wie vermittelt ihr in zeiten der billigketten und –anbieter das verständnis für den „mehr-wert“ der markenprodukte in eurem laden?
„mehr-wert“ soll bei uns durch einzigartigkeit entstehen. wir suchen auf der ganzen welt nach produkten, die man in zürich nicht oder nicht mehr erhält. die bedienung ist kompetent und freundlich, weil jasmin und mitch freude an den kunden, dem sortiment und dem laden haben.

kann man es sich heute noch leisten, persönliche vorlieben in bezug auf styles und marken zu pflegen, oder geht es rein um die kommerzielle verkaufbarkeit der produkte?
das geschäft funktioniert auch kommerziell hervorragend. man muss natürlich immer die hausaufgaben gut machen, dann bleibt auch mehr für das, was man gerne macht.

oftmals wird behauptet, mode wird in wirtschaftlich schwierigen zeiten eher „unwichtig“. was ist eure meinung zu dieser aussage und wie lässt sich diese behauptung entkräften?
in schwierigen zeiten findet eine strukturbereinigung statt. die spreu wird vom weizen getrennt. es ist wie in allen bereichen: spannende konzepte funktionieren, phantasielosigkeit wird bestraft. die goldgräberzeit im modebusiness der 80er und 90er jahre ist vorbei. konsumenten werden in schwierigen zeiten anspruchsvoller, diesen ansprüchen muss man gerecht werden.

ein gutes unternehmen steht für eine klare aussage. ist es auch in der schnelllebigen modebranche möglich, einer grundphilosophie immer treu zu bleiben und dennoch neue themen und stile mit einzubauen?
die frage hier ist nicht, ob es möglich ist, sondern: wie macht man es möglich? genau das ist der punkt: der grundphilosophie treu zu bleiben, aber trotzdem flexibel und offen zu sein.
helmut wolf
pool journal