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sign of the times – and of culture
falten beschäftigen frauen rund um den globus. eine studie der chanel-forschung belegt nun erstmals, dass europäerinnen anders altern als asiatinnen.
dass falten frauen (und männer) in aller welt beschäftigen, ist ebenso klar wie bekannt. dass falten in unterschiedlichen kulturkreisen eine andere bedeutung zukommt ebenfalls. während sie an einem ort als insignien für würde und weisheit gelten, stellen sie andernorts einen großen makel dar. dass falten in unterschiedlichen ländern auch eine andere „evolution“ haben, beweist nun erstmals eine studie von c.e.r.i.s., dem von der kosmetik- und modemarke chanel betriebenen institut für grundlagenforschung. hunderte frauen verschiedenen alters wurden dafür fotografiert und die ausprägung ihrer falten analysiert. die probandinnen leben in frankreich, japan und korea. die erstaunliche erkenntnis: jede der kulturen hat ihre spezifika, was die hautalterung betrifft. so konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass japanerinnen und koreanerinnen, anders als die europäerinnen, bis zu einem alter von 50 jahren von falten verschont bleiben. dann allerdings altert ihre haut schneller und dramatischer. dieser unterschied liegt zum einen in genetischen faktoren begründet. doch das ist nur eine seite der medaille. weitere gründe für die art und tiefe von falten sowie das lebensalter, in dem sie erstmals auftreten, sind in der kultur zu suchen. diese erkenntnis ist geradezu revolutionär in der anti-aging forschung. denn sie erleichtert den herstellern nicht nur, hochspezialisierte produkte für unterschiedliche märkte zu entwickeln, sondern ermöglicht auch gezielte falten-prophylaxe. die unterschiede in der faltenbildung stellen die forschung vor neue fragen. fragen, die nun auch ethnische unterschiede in der beschaffenheit der haut berücksichtigen müssen. so haben koreanerinnen beispielsweise eine dickere epidermis. diese hat bekanntlich nicht nur eine mechanische schutzfunktion, sondern spielt auch auf biologischer ebene eine wesentliche rolle, da sie dazu beiträgt, die lederhaut im gleichgewicht zu halten. da sich falten hier zu aller erst bemerkbar machen, schützt die dickere epidermis die koreanerinnen länger vor den ersten anzeichen der hautalterung.
einen weiteren grund für das unterschiedliche altern der haut vermuten die c.e.r.i.s.-forscher auch in der unterschiedlichen beanspruchung der gesichtsmuskeln. fältchen rund um nase und lippen, die sogenannten naso-labial-falten, treten insbesondere bei den französinnen auf. die laute der französischen sprache sowie die mimik, die in europa intensiv zur unterstützung des gesagten eingesetzt wird, könnten dafür der grund sein. schließlich leiden japanerinnen und koreanerinnen, deren sprache die mimik und lippen vergleichsweise wenig beansprucht, nicht unter dem phänomen der früh auftretenden fältchen in dieser gesichtspartie.
ein anderer wesentlicher einfluss auf die sichtbare hautalterung ist die intensität und dauer der sonneneinstrahlung. asiatinnen, die ihre haut bekanntlich akribisch vor bräune schützen, haben hier die besseren karten. die schäden, die ungeschütztes und intensives sonnenbaden in der zellstruktur ihrer haut anrichtet, sind deutlich geringer als jene bei europäerinnen. gleiches gilt für die negativen auswirkungen des tabakrauchs, ein problem, das in asien vor allem männer betrifft, da der tabakkonsum bei frauen vergleichsweise sehr gering ist.
warum asiatinnen allerdings später zu tieferen falten tendieren, weiß die forschung noch nicht endgültig zu beantworten. eine mögliche antwort scheint die unterschiedliche pigmentierung der haut zu liefern. wenn europäerinnen ihre haut der sonne von kindestagen an aussetzen, fördern sie so auch den natürlichen schutzmechanismus der haut. bei den asiatinnen treffen die schädlichen uv-strahlen auf schwach pigmentierte und daher relativ ungeschützte haut. sie könnten sich daher – zeitverzögert – umso dramatischer auf die alterung auswirken.
mit diesen erkenntnissen der chanel-forschung wird bestätigt, was in der medizin schon lange als zukunftsmusik gilt: frauen und männer sowie unterschiedliche ethnien mit den gleichen wirkstoffen zu behandeln, ist ein modell, dessen zeit abgelaufen ist. künftig wird man bei kosmetika, „cosmedicals“ und medizin also viel stärker auf die zielgruppe eingehen müssen. auch – und gerade wenn – man ein global-player wie chanel ist.
martina müllner
pool journal