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häufig gestellte fragen
was bedeutet liebe für dich?
man muss sich heutzutage schon anstrengen, den kanal freizuhalten für dieses unendliche, unkontrollierbare, unglaublich erfassende und umfassende gefühl, das einem dann sagt, so, das ist jetzt der zustand „liebe”. und wenn dieser zustand eintritt, dann hat die seele plötzlich eine strahlkraft, die alles zu durchdringen vermag. liebe ist für mich also eine art aggregatszustand, den man so gerne noch öfter einfach einschalten würde, bloß ist das halt nicht ganz so einfach. die erleuchtung ist leider noch nicht so richtig fortgeschritten. aber man arbeitet daran.

wie manifestiert sich liebe in deiner arbeit?
sie ist die grundlage für das was ich tue. ohne liebe zu dem was man tut, kann man nicht gut sein, erfolgreich sein, glücklich sein. nie wieder lieblos bei der arbeit – „life’s too short“. wir verarbeiten stoffe, die eine große, historische textil-kunst sind. per se steckt bereits sehr viel zeit und liebe darin. die art und weise, wie wir die stoffe verarbeiten, kann nur mit viel „liebe zum detail” der sache gerecht werden.

spürt man den unterschied, wenn ein stück mit liebe gemacht ist?
ohne zweifel. man kann dinge aufwendig produzieren, aber nur der aufwand, der nicht spürbar ist, weil er aus „liebe zum teil” gemacht ist, erzielt dann eine art natürliche autorität, die der aufmerksame kunde fühlt.

geld oder liebe?
wie willst du leben in dieser welt nur von der liebe? das ist nun mal illusorisch. aber eine funktionierende verbindung der beiden herzustellen, das bleibt die schönste übung.

was liebst du?
das leben.
endless love
sai so ist mehr als eine modemarke. es ist die geschichte einer unendlichen liebe, die in immer neuen facetten ihre fortsetzung findet.
martin brem, der kopf hinter dem in berlin ansässigen label sai so weiß viele geschichten über die liebe zu erzählen. die schönste erzählt allerdings sein label sai so. sie berührt und lässt gleichzeitig die hoffnung schöpfen, dass liebe manchmal unendlich sein kann – auch wenn sie jäh enden muss. ein blick zurück in der entstehungsgeschichte der luxusmarke zeigt ursula brem, genau wie martin brem, gebürtige österreicherin und weltenbürgerin. als das paar gemeinsam in london lebt, wo martin brem als stellvertretender marketingdirektor von sony music tätig ist, etabliert die grafikerin und mutter zweier söhne ihre leidenschaft für antike kimonos als geschäftsidee. aus raren kimonos schneidert sie kostbare schals und stolen, die bald den sprung in die besten department-stores londons schaffen. nach berlin übersiedelt, beendet ihr unerwarteter tod nicht nur die zukunftspläne für das modelabel. auch für martin brem wird nach einer einjährigen auszeit klar, dass eine rückkehr in die laute welt des musikbusiness keine alternative darstellt. zu viel ist verändert. die sammlungen seiner frau bringen ihn auf den gedanken, ursulas idee weiter zu tragen. unter dem namen sai so – japanisch für auseinander-nehmen und wieder-zusammensetzen – beginnt er in kooperation mit verschiedenen designern, dem vermächtnis neues leben einzuhauchen. aus den sammlerstücken entstehen neue designstücke. die ersten kollektionen sind auf wenige styles reduziert, reduziertes design lässt die brillanz des traditionellen japanischen handwerks nur noch deutlicher zum ausdruck bringen. von anfang an macht martin brem deutlich, dass er sai so zwar als mode aber nicht modisch verstanden wissen will. während er als marketing-fachmann die konzeptionelle ausrichtung der marke über hat, zeichnet sich mittlerweile der ehemalige strenesse-designer andreas jeenicke für das design verantwortlich. seine feinfühligen entwürfe spiegeln eine große demut vor dem kostbaren material wider. ein rohstoff, der so kostbar ist wie antike kimonoseide, will mit respekt behandelt werden. eine haltung, die auch die weiteren kooperationspartner von sai so an den tag legen. so entsteht beispielsweise in zusammenarbeit mit filumen eine tischlampe, deren schirm mit kimonoseide bespannt ist, außerdem tapeten in zusammenarbeit mit der berliner firma wandunikate. es sind poetisch schöne stücke wie diese, die auch die japanische kultur mit sai so versöhnen. schließlich gilt es dort als sakrileg, die kunstvollen kimonos zu zerschneiden. dass heute auch japanische einkäufer auf den messeständen und im showroom von sai so großes interesse an der exklusiven kollektion zeigen, ist für martin brem und seine lebens- und geschäftspartnerin gabriela bacher der schönste beweis, dass ihre gemeinsame liebe von vielen menschen geteilt wird.
martina müllner
pool journal