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häufig gestellte fragen
was ist dein lieblings-fabelwesen?
ein lieblings-fabelwesen im herkömmlichen sinne habe ich eigentlich nicht. ich mag die frösche in den fabeln sehr gerne. unabhängig von den fabeln nenne ich gerne den elefant als mein lieblingstier.

was inspiriert dich besonders?
spaziergänge in der natur, gute bücher, fantasievolle geschichten und gedichte, beispielsweise christian morgensterns „erfindergedichte“ von palmström und korf ... aber auch erlebnisse mit kindern, leidenschaftliches stöbern auf flohmärkten, in trödelläden und antiquariaten. reisen und erinnerungen an meine eigene kindheit in afrika, bayern und vorarlberg gehören ebenso dazu.

wovon träumst du?
es ist zu viel, um es in worte zu fassen. ich würde es so sagen: ich träume davon, dass ich nie aufhöre zu träumen.

welche momente liebst du am meisten?
es gibt viele schöne momente: am sternenhimmel das kreuz des südens zu erblicken. das rauschen des meeres zu hören. nach einem langen winter den frühling zu spüren. das herzhafte lachen eines kindes zu hören, die freude und das glück eines kindes zu erfahren. in lauen sommernächten dem konzert der grillen zu lauschen. nach einem heißen sommer die kühle des herbstes wie einen neuanfang zu empfinden, verregnete sonntage gemütlich mit guten büchern, tee und feinem gebäck zu verbringen. in verschneiter winterlandschaft bei vollmond spazieren zu gehen …

dein lieblingsbuch?
wenn es darum geht, dass ich mich aus der büchervielfalt für eines entscheiden müsste, um es auf eine einsame insel mitzunehmen, dann würde dies rainer maria rilkes werk „briefe an einen jungen dichter“ sein.

deine lieblingszeichnung?
gibt es in dem sinne nicht. generell liebe ich zeichnungen aus skizzenbüchern. ich mag es sehr, wenn zeichnungen klar sind, einen witz haben, amüsieren oder gefühle wecken und vermitteln. zeichnungen von paul klee, michele lémieux oder sempé zählen dazu.
soul food
mit scheinbarer leichtigkeit steht der elefant auf dem apfel, der für ihn die welt bedeutet. behutsam hält er mit seinem mächtigen rüssel eine biene in ungeahnte höhen, die den fantastischen blick in die ferne und den sieg über all die hässlichkeit und gewalt unserer wirklichkeit feiert. die illustration zum „fabelbuch“ steht exemplarisch für die liebevoll hintergründigen darstellungen in den zeichnungen silke lefflers. mit großer hingabe zur phantasie, zur behutsamkeit und sensibilität vermittelt die illustratorin ein sanftes, gezeichnetes statement für mehr harmonie und ... liebe.
fliegende giraffen, tanzende fische, autos aus zitronen und feenhafte damen und herren, die mit herzens-frisuren, lieblichen blumenhüten und taschen in gieskannenform durch puppenhafte städte und verwunschene landschaften stolzieren. und immer wieder herzen, überall herzen, die in wunderschönen gärten, auf hausdächern und in den bergen wachsen und all die stolzen, unperfekten, dicken und dünnen, fröhlichen und traurigen menschen mit ihrer liebe anstecken ... verzaubern. zu mehr sanftmut aufrufen. in der unendlichen phantasiewelt der illustratorin silke leffler wird ein bild der filigranen harmonie zwischen mensch und natur gezeichnet. in den fantasievollen, märchenhaften reisen zählt das kleine, das liebliche viel mehr als das mächtige, das übergroße, verdrängende, zerstörerische. dimensionen werden relativiert, bonbons so groß wie menschen und die verzierte stofftapete zum schauplatz romantischer begegnungen. es ist wie die entführung in eine welt der anmutenden grazie und der unbefangenheit, wo es trotz unterschieden zwischen den lebewesen nur ein friedliches, ein harmonisches miteinander geben kann, geben muss. viele der gezeichneten fabelwesen, der üppigen blüten, der liebesszenen und wunderlichen landschaften finden sich mittlerweile in prämierten, weltweit vertriebenen büchern, ebenso wie auf karten, kalendern, geschenkpapieren und papeterie-produkten. über ihre arbeit zwischen phantasie und wirklichkeit, über die faszination an der natur und über das kindliche lauschen erzählt die 35jährige illustratorin und mutter eines sohnes, silke leffler, im nachfolgenden gespräch.

liebe silke, erzähle ein wenig aus deinem leben. woher kommst du, was hast du bisher so gemacht?
ich bin gebürtige vorarlbergerin. dank reiselustiger eltern bin ich in holland, in österreich, in verschiedenen ländern afrikas und in süddeutschland aufgewachsen. die schule absolvierte ich in bayern. nach dem abitur machte ich eine schneiderlehre, studierte textildesign und arbeitete für ein designstudio in england. seit 1996 arbeite ich als frei schaffende textildesignerin für namhafte internationale firmen in den bereichen dekostoffe, bettwäsche, teppiche und andere heimtextilien. da es mitunter einer meiner größten wünsche war, kinderbücher zu illustrieren, versuchte ich mir dahingehend ein zweites standbein zu schaffen. seit 1998 arbeite ich als illustratorin mit einigen verlagen im papeterie- und kinderbuchbereich zusammen. bislang habe ich eine vielzahl von stoffen entworfen und unzählig viele karten, geschenkpapiere, kalender und insgesamt acht kinderbücher illustriert. einige davon wurden bereits in andere sprachen übersetzt, beispielsweise in englisch, französisch, koreanisch usw.

woran erinnerst du dich am liebsten aus deiner kindheit?
da gibt es ein paar dinge, an die ich mich sehr gerne erinnere: zum beispiel, wenn ich als kind früh morgens barfüssig über die mit tau benetzte sommerwiese durch die schafkoppel in den wald gelaufen bin. oder an die safaris mit meinen eltern in afrika. diese waren stets reich an erlebnissen ... einmal, daran erinnere ich mich ganz besonders, sind wir mit unserem landrover parallel zu einer trabenden elefantenherde gefahren. es waren weit über 100 elefanten und der ganze boden bebte und vibrierte. wir „mussten“ stehen bleiben, um diesen einzigartigen und auch nicht ganz ungefährlichen moment, anmutend bestaunen zu können. gerne erinnere ich mich auch an die zeit bei meinen großeltern zurück, die in einer einfachen hütte in den vorarlberger bergen lebten. ich schätze mich sehr glücklich, eine so schöne kindheit gehabt zu haben.

hast du dich als kind auch schon immer gerne zeichnerisch ausgedrückt, dich mit zeichnungen „verständlich gemacht“?
ich habe auch schon als kind immer nur gezeichnet. farben, stifte und papier begeisterten mich schon von klein auf. es war für mich das schönste, die zeit in einem raum mit vielen mir lieben menschen zu verbringen, malend und zeichnend in einer ecke zu sitzen und ihren gesprächen zu lauschen ...

in deinen illustrationen, die geprägt sind von märchenhafter fantasie und zartheit, wird sowohl die liebe zur natur als auch die liebe zu den kindern deutlich. was fasziniert dich besonders an den kindern und an der natur?
an den kindern fasziniert mich besonders, dass sie so unvoreingenommen den augenblick leben können. kinder können ungeniert freude zeigen, sind so unendlich begeisterungsfähig. in ihrer welt ist alles möglich, ihre fantasie ist grenzenlos. sie schenken einem zeit für spontane dinge, lassen einem freude an simplen dingen finden und lehren einem immer wieder, die dinge neu zu entdecken. ich für mich persönlich glaube, nie aus dieser kinderwelt entrückt zu sein ... das so genannte „erwachsen sein“ ist so fern. an der natur fasziniert mich immer wieder, dass sie in sich so stimmig ist. beispielsweise beim betrachten einer blume, da spüre ich immer wieder aufs neue eine wärme der begeisterung in mir aufsteigen. blütenblättchen für blütenblättchen werden zu prachtvollen erscheinungen geformt, eine blume ist schöner als die andere – das wunder natur.

astrid lindgren meinte einmal, dass das ursprüngliche, glückliche leben beim kind und dessen harmonie mit der natur und allem lebendigen im einklang mit dem spielen und lauschen liegt. was sagst du zu dieser aussage?
in dieser aussage von astrid lindgren steckt für mich sehr viel wahres, ich teile sie uneingeschränkt mit ihr.

phantasie und wirklichkeit – zwei prägende elemente deiner illustrationen. wo liegt für dich der unterschied zwischen der phantasie in deinen zeichnungen und der realität des alltags?
seitdem unser kleiner sohn – er ist jetzt ein jahr alt - den alltag mit uns teilt, verwischen sich die grenzen zwischen der phantasie meiner zeichnungen und der realität des alltags immer mehr. die darstellungen meiner illustrationen werden in seiner „es-ist-alles-möglich-welt“ (vor)gelebt, von ihm immer wieder aufgegriffen. plüschtiere werden zu hüten, himbeeren steckt man sich wie selbstverständlich als hütchen auf die finger, giraffen können sprechen und reisen in handtaschen überall mit ... oft frage ich mich dabei, ob ich nun schon selbst die personifizierte illustration bin oder alles nur die logische konsequenz aus diesen ereignissen ist?

gibt es ein gewisses gefühl, eine atmosphäre, die du beim betrachter deiner zeichnungen erzeugen möchtest?
ich könnte nicht sagen, dass ich beim betrachter meiner bilder ein gewisses gefühl oder eine atmosphäre erzeugen möchte. wichtig ist mir jedoch, dass dem betrachter meiner bilder stets noch ein gewisser freiraum zum hinzudichten, zum weiterträumen bleibt.

woran denkst du, wenn du deine phantasie-bilder kreierst?
ich denke an die kinder, an ihre welt der unbegrenzten möglichkeiten, wo surreales ebenso platz hat wie die absolute detailtreue. ich denke auch an die erlebnisse meiner eigenen schönen kindheit zurück.

zeichnungen, illustrationen sind gewissermaßen „sprachlos“, brauchen keine erklärungen oder spezifische sprache, werden überall verstanden. möchtest du mit deinen sehr zarten, sanften zeichnungen zu mehr harmonie, zur „besseren verständigung“ zwischen mensch und natur beitragen?
darüber habe ich bislang nicht bewusst nachgedacht, so dass ich die frage nicht mit einem konkreten ja beantworten könnte. wenn es jedoch so ist, dass meine zeichnungen zu mehr harmonie und zu mehr achtsamkeit aufrufen, dann würde mich das sehr glücklich machen.

deine zeichnungen befinden sich auf karten, brief- und geschenkpapier, in büchern - also überall dort, wo menschen sich oder anderen freude bereiten, auch liebesbotschaften verkünden wollen. welches gefühl ist es für dich, sozusagen als „zeichnerische vermittlerin“ von gefühlen zu fungieren?
ehrlich gesagt war und ist es mir gar nicht bewusst, als „zeichnerische vermittlerin“ von gefühlen zu fungieren. ich zeichne und male einfach. es ist für mich einfach unvorstellbar, mich zeichnerisch nicht auszudrücken. die farben, „das bunte“, die ideen sind für mich wie nahrung für die seele. während ich male, tauche ich ähnlich einer meditation ganz in diese welt ein, zeige bilder meiner träume und gegenstände meiner erinnerung. ich „erwache“ erst wieder, wenn ich den pinsel zur seite lege. vielleicht ist es das, was man in den bildern zu spüren glaubt ... ich weiß es nicht.

würdest du gerne selbst eine elfe in einer deiner geschichten sein?
es gäbe so viele geschichten, die ich spannend fände, mitzuerleben! ich glaube, ich könnte mich gar nicht entscheiden, ob ich nun eine elfe, eine blumendame oder ein engel sein wollte. wenn es darum ginge, in diese andere welt eintauchen zu dürfen, dann wäre ich sofort dabei.
helmut wolf
pool journal