11
 
   
brandless products
die japanische kette muji stieg mit „markenfreier ware“ selbst zur marke auf. 1980 war kein einfaches jahr. nicht auf der welt, nicht in japan. gebeutelt von eben erst zu ende gegangenen öl-krisen, überteuerten preisen und schlechten wirtschaftszahlen gerieten alte handelskonzepte an ihre grenzen. momente wie diese zwingen die wirtschaft ballast abzuwerfen, konzepte zu überdenken und neues zu wagen. im fall von muji erwies sich dieser triste wirtschaftsmoment als glücksfall.
mit markenfreien produkten, dingen des täglichen gebrauchs in guter qualität zu nachvollziehbaren preisen, etablierte sich die kaufhauskette muji schnell in japans gesellschaft. dabei ist das muji-prinzip ebenso einfach wie revolutionär: produkte werden in entsprechenden mengen hergestellt, um den wettbewerbsfähigen preis zu garantieren. möglichst unverändert und aufwandsarm gelangen die produkte in die eigenen shops und damit zum kunden. statt auffälligen logos oder markenemblemen zeichnen sich die produkte durch einfaches design aus. der vollständige firmenname „muji ryohin“ ist dabei programm: gute, markenlose ware lautet die übersetzung des japanischen namens.
ein prinzip, das nicht nur im hochpreisland japan auf fruchtbaren boden stößt. dass man bei muji shiitake-pilze ebenso bekommt wie kleine notizheftchen, fördert den zuspruch nur noch mehr. bereits seit 1981, ein jahr nach der gründung der firma, ist auch bekleidung im programm. mit erfolgsprodukten wie einem einfachen cashmere-pullover, der gut 30 prozent unter dem preisniveau von departmentstores angeboten werden kann, hat sich muji auch hier einen namen gemacht. nicht zuletzt, weil eine tragende idee der firmengründer auch bei den textilien zum einsatz kommt. muji bekennt sich zum wirtschaftlichen umgang mit allen ressourcen. natürliche materialien und zeitlose designs sind da nur eine logische konsequenz. wer seine produkte nur wenig färbt oder veredelt, kann billiger anbieten – und trifft wie im fall von muji zudem auch noch den zeitgeist. heute umfasst das sortiment – je nach vertriebsland unterschiedlich – rund 9.000 produkte. in europa, wo muji seit 1991 mit shops in großbritannien und paris aktiv ist, werden rund 4.000 produkte angeboten – von schachteln, schreib- und haushaltswaren über home-accessoires, kleidung, kleinmöbel bis hin zu fahrrädern. die puren und minimalistischen produkte entlocken selbst gestandenen designern wie jasper morrison worte des lobs – eine sensation wenn man bedenkt, dass muji bis zu diesem zeitpunkt mit einem namenlosen designer-kollektiv gearbeitet hat. angespornt durch das öffentliche und mediale interesse an den produkten, beginnt die japanische firma erstmals auch bekannte designer mit entwürfen für muji zu beauftragen. für diese ist muji eine herausforderung der anderen art. denn die kultmarke gibt sich nicht mit vermeintlichen kultprodukten zufrieden. schließlich müssen sie auch wirtschaftlich, funktionell und massenproduktions-tauglich sein und ohne logo auskommen.
martina müllner
pool journal