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at home, a luxury
einer der schönsten momente jeder reise: nach hause kommen. auch wenn zu hause nur ein stop-over auf einer immerwährenden reise ist.
im grunde habe ich mir nie gedanken gemacht, wo mein zuhause ist. sicher, in zeiten, in denen man viel reist oder im ausland lebt ist das zuhause ein magischer ort der sehnsucht. man sehnt sich nach dem ort, an dem man seine wurzeln vermutet, sehnt sich nach den menschen, die diese wurzeln erst mit leben erfüllen. ich habe mich oft gefragt, was dieses zuhause repräsentiert. ob dieses zuhause ein materieller oder immaterieller wert ist. ob dieses zuhause an einen bestimmten ort gebunden ist. oder ob es wirklich nur ein gefühl ist, das mich hier glauben lässt, zu hause zu sein. immer wieder fallen mir tausend neue antworten ein – die doch so endgültig nicht sind, als dass sie mich davon abhalten könnten zu reisen und mich für immer an ein zuhause binden würden.
so sehr ich auch das drumherum hasse, wenn es gilt, sein zuhause hinter sich zu lassen – ob für einen kurzen geschäftlichen termin oder für einen langen urlaub, so sehr liebe ich auch, was das reisen in mir auslösen kann. sicher, da sind momente der anstrengung, momente der einsamkeit. wenn ich alleine in einem italienischen hotelzimmer sitze und mich durch das italienische abendprogramm zappe, ist die sehnsucht nach zuhause wohl am größten. natürlich gibt es tausend bestrebungen, das gefühl des zu hause seins kommerziell vorzutäuschen. wer menschen kennt, die viel reisen, weiß, wie verzweifelt diese oft versuchen, sich in stereotypen hotelzimmern das gefühl eines zuhauses einzurichten. duftkerzen, bilderrahmen, musik, kuscheldecken oder stofftiere. wenn business-nomaden ihre koffer öffnen, kommen die wunderlichsten dinge zum vorschein. ersatz-fetische, die in der fremde bestenfalls noch mehr daran erinnern, dass man das zuhause vermisst. manchmal tut es not, sein zuhause so zu mystifizieren, so aus der ferne lieben zu lernen. plötzlich sind all die ärgernisse des alltags, die ein zuhause ja zweifelsfrei mit sich bringt, aus der erinnerung gelöscht. ich habe meine kleine stadt, in der ich heute lebe und arbeite auch erst in der ferne schätzen gelernt. heute lächle ich über menschen, die sich nie wagten abzunabeln und deshalb einen kindlichen groll auf diese stadt und ihre eigenheiten hegen. wenn meine reisen sich dicht an dicht im terminkalender drängen, ist mein zuhause ein luxus geworden, der mir schwerer wiegt als jede zugehörigkeit, die man käuflich erwerben kann. zu hause zu sein ist dann das größte gut. zumindest bis zur nächsten reise.
martina müllner
pool journal