11
 
   
häufig gestellte fragen
welche jahreszeit ist für sie die aufregendste im garten?
der frühling und die eröffnung unserer gartenausstellung in chaumont, wenn die ganze vegetation zum leben erwacht

ihre schönsten ereignisse rund um den garten?
die ausstellung „die entdeckung von wörlitz, das bild der idealen welt in sachsen-anhalt“; bei schüttendem regen ein besuch des gartens „hidcote manor“ im englischen gloucestershire und die nacht im „garden de mousse“ von kyoto, wo ich eingesperrt war.

ihre lieblingspflanze(n)?
die pfingstrosen, aber auch pflanzen von „schlechtem geschmack“, wie die dahlie oder die gladiole. schließlich auch die wilden pflanzen, die man unkraut nennt, wann ich sie per zufall am weg entdecke ...

ihr liebster baum?
die buche, weil sie in freiheit wächst
growing roots
träumen, entspannen, sich wieder finden – der garten als symbolischer ort für paradiesisches glück und zufriedenheit. schon das kurze verweilen und der blick in einen anregend gestalteten garten oder park wirkt sich positiv und kraftschöpfend auf unsere sinne aus. der garten ist das tor zur natur - und zu uns selbst.
wer sich nach dem täglichen stress, dem zeitkorsett des alltags in den garten begibt, kann schon ein „grünes wunder“ erleben. wurzeln schlagen, bodenhaftung finden ... hier, im garten zwischen heranwachsenden pflanzen, sträuchern und bäumen gibt es keine optimierung des zeitmanagements, keine dynamisierung des produktionsablaufes. die natur unterliegt ihren ganz eigenen, jahrtausend alten gewachsenen gesetzen, und so wie bei den menschen gilt auch im garten die formel: nur wer sich wohlfühlt, wächst und gedeiht gesund heran. pflanzen beeinflussen schon seit jeher unser leben, wirken sich positiv auf unsere gesundheit und kreativität aus. die aura eines gartens und parks beschert uns jene schönen momente, deren ursache wir uns noch nie so richtig erklären konnten.
jean-paul pigeat, direktor des seit 1992 jährlich stattfindenden, internationalen gartenfestivals von schloss chaumont in frankreich, ist einer der profiliertesten kenner zeitgenössischer gartenkultur. er erläutert im nachfolgenden gespräch seine gedanken über die faszination, die stimulierende atmosphäre und große bedeutung des gartens.

lieber jean-paul pigeat, worin glauben sie liegt die jahrhundert alte, ungebrochene faszination des menschen am garten?
wenn die menschen versuchen, einen garten zu gestalten, zu formen, versuchen sie im grunde das paradies zu finden und es zu repräsentieren. der mensch versucht, im garten ein bild von der realen welt darzustellen, diese zu kontrollieren und sich darin wiederzufinden. die faszination und hingabe für gärten besteht seit anfang der zivilisierten kultur und ist im grunde genommen gar nicht so erstaunlich.

welche eigenschaften sollte ein schöner, gehaltvoller garten beinhalten?
ich kann zwar jetzt ad hoc nicht sagen, wie ein schöner, gehaltvoller garten auszusehen hat, aber ich weiß, was ich von einem garten erwarte. ein wunderbarer garten beinhaltet für mich eine besondere pflanzenmischung, beispielsweise wie ihn ein sennesstrauch darstellt. wenn ich dann durch den garten gehe, möchte ich viele überraschungen erleben. ich persönlich konzipiere keinen garten ohne kreativität und humor. der garten ist für mich mehr ein platz des vergnügens als ein ort des repräsentierens. ich mag eigentlich gar nicht so gerne die geradlinigen, fast schon sachlichen art der französischen gärten.

in unserer technologisierten umwelt, den anwachsenden urbanen ballungszentren, wächst die sehnsucht der leute nach natur, nach dem „grün“. inwieweit hat sich die bedeutung des gartens in den letzten jahren und jahrhunderten verändert?
die bedeutung des garten hat sich in den letzten jahren besonders stark entwickelt. dabei haben sich meinem empfinden nach zwei grundlegende „bewegungen“ herauskristallisiert: die erste große bewegung besteht aus einzelpersonen, menschen mit einer unheimlich großen leidenschaft für blumen und pflanzen. diese pflanzenliebhaber werden immer exakter bei ihrer auswahl und von mal zu mal kompetenter. ihre liebe zum garten macht sich bei unzähligen gartenveranstaltungen bemerkbar, wo die leute begeisterte reaktionen zeigen. die zweite große garten-bewegung wird an öffentlichen orten erkennbar: die menschen wollen deutlich mehr freiheiten. sie geben sich nicht mehr damit zufrieden, einfach durch den park oder garten zu marschieren, sie wollen vom rasen profitieren, darauf spielen, picknicken oder sich hinlegen, die umwelt „spüren“. diese freiheit im umgang mit dem körper war einer der wichtigsten und prägendsten elemente in der evolution der gärten in den letzten 15 jahren.

in vielen lebensbereichen suchen die menschen nach geradlinigkeit, reduktion und minimalismus, im garten jedoch wird genau das gegenteil praktiziert. da blüht die wildblumenwiese neben dem komposthaufen, dort wächst das unkraut neben dem rosenstrauch. wie erklären sie sich diesen widerspruch?
ich habe eine etwas eigenartige, vielleicht sogar seltsame, einstellung dem begriff „unkraut“ gegenüber - wir haben diesem begriff sogar ein ganzes festival gewidmet (lacht). es ist unsere einstellung zur natur, die wir ändern müssen. warum nicht die frage umdrehen: was machen die furchtbaren rosensträucher inmitten des herrlichen unkrautes ...?

könnten sie der feststellung zustimmen, dass sich im garten der ursprung, die quelle allen lebens widerspiegelt?
der garten repräsentiert durchaus die ursprünge, das ur-paradies. man findet diese vorstellung auch in arabischen gärten, dort symbolisieren vier wasserwege die vier kardinalpunkte, konvergent - oder divergent - zum zentrum des gartens. man findet dieses paradiesische bild ebenso in einer vielzahl von perserteppichen, wo der garten einen symbolischen ort darstellt, an dem es einem immer gut geht.

der garten, ein ort, um in erinnerungen zu schwelgen, sich zu „verlieren“, zu träumen ... ist der garten so etwas wie das sinnbild der romantik?
ich würde vielmehr sagen, der garten ist ein ort, wo sich vergnügen vollendet. das vergnügen ist viel stärker als ein sinnbild, weil man es eigenhändig in die realität bringen muss.

viele dichter und künstler schöpfen aus der poetischen kraft des gartens. woher, glauben sie, kommt es, dass der garten stets der inspiration, dem „kuss der muse“ diente?
der „kuss der muse“ ist die essenz des gartens ...
helmut wolf
pool journal