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häufig gestellte fragen
was inspiriert euch besonders?
max: gespräche mit menschen, die mir viel bedeuten.
manu: das wechselt öfter. zurzeit sind es kino und musik, besonders gerne die kombination aus autofahren und musik hören: die welt, die um mich herum dadurch entsteht gibt mir sehr viel energie und raum für neue ideen. dabei kann man auch ganz nebenbei andere autos und deren insassen studieren.

wofür nehmt ihr euch besonders viel zeit?
manu: für die konzeptfindung. nur ein rundes und logisches konzept kann von allen kunden (extern und intern) verstanden werden. das ist bei der farb- und materialvielfalt eines autos ein ziemlich langer und intensiver prozess mit vielen einflussfaktoren wie technik, preiszielen und allen designwünschen.
max: bei mir ist das ähnlich. ich habe mal ein zitat von anton bruckner gehört: ‚wer hohe türme bauen will, muss lange beim fundament verweilen’. er hat das auf seine musik bezogen, aber auch im design ist es wichtig, das konzept erst gut auszuarbeiten und durchzudenken, bevor man sich ans skizzieren macht.

wo liegt eure lieblingsstrecke beim autofahren?
max: die strecke braunschweig – wolfsburg. klingt banal, ist es auch. ich nütze diesen weg zwischen braunschweig, wo ich wohne und volkswagen in wolfsburg, um mich morgens in die arbeit hineinzudenken, und sie abends aber auch mal hinter mir zu lassen.
manu: am lago di garda. genau zwischen rovereto und torbole: beim ersten blick von der passstrasse aus auf den see muss ich allerdings immer extrem langsam fahren und die aussicht genießen.

euer liebstes design-produkt?
max: der teebeutel.
manu: der milchbecher von walküre-porzellan.

euer lieblings-auto?
max: immer wieder die schwierigste frage ... den ersten platz teilen sich bei mir derzeit der vw käfer und die ds. beide haben es zu ikonen geschafft, die bis heute modern wirken.
manu: der 911er - und das schon seit ich sieben jahre alt bin. meine konstante vorliebe seit dieser zeit haben der porsche und der milchbecher gemeinsam. der porsche hat sich natürlich weiterentwickelt, und der starre becher ist ganz konsequent der alte geblieben.
shapes, mouths, angles
formensprache ist wahrscheinlich die einzige sprache ohne worte. oft wird sie auch als „weltsprache“ bezeichnet. wie emotional diese formensprache sein kann, dokumentiert vor allem das auto: gesicht, körper, rundungen, proportionen und der sympathiefaktor entscheiden über gefallen oder nicht-gefallen beim konsumenten. über gute freunde, mundwinkeln und moderne zeitlosigkeit ein gespräch mit den beiden „vw-concept r“-designern manuela joosten und maximilian missoni.
liebe manuela, lieber max, wir leben in einer extrem technologisierten zeit, dennoch ist die sehnsucht der menschen nach emotionalität, nach der „liebe zum detail“ gerade bei technischen produkten sehr hoch. inwieweit kann beispielsweise das design eines autos den konsumenten „emotional“ ansprechen?
max: das auto unterscheidet sich von anderen industrieprodukten durch seine fähigkeit sich scheinbar ‚selbst’ zu bewegen - „auto-mobil“. unweigerlich assoziieren wir dadurch eine art lebewesen mit unserem fahrzeug. das geschieht meist unterbewusst. wir designer nützen das, um unseren produkten auch vordergründigere gestaltungsmerkmale zu geben, die ganz deutlich einen charakter kommunizieren.
meiner meinung nach entwickelt sich die technik in eine richtung, die das auto dem pferd als partnerwesen des menschen wieder einen großen schritt näher bringt. die modernen fahrassistenzsysteme stellen eine beziehung zwischen fahrer und auto her. das auto erkennt gefahren und risiken früher als der fahrer und warnt bzw. greift aktiv ein. diesem umstand tragen wir rechnung, indem wir unsere autos wieder mehr als wesen mit charakter gestalten. volkswagen war immer eine marke, mit deren produkten sich die menschen identifiziert haben und sogar eine persönliche bindung aufgebaut haben – ich denke da nur an den käfer ... heute ist die sympathie bei vw der wichtigste markenwert. und die strahlen auch unsere produkte aus.
manu: im „color“ und „trim“ sprechen wir den kunden über die farben im interieur und die haptik der materialien emotional an: man öffnet die tür eines fahrzeugs, sieht einen hellen innenraum, setzt sich hinein, greift an das lenkrad, fühlt das weiche, perfekt verarbeitete leder und blickt auf eine übersichtliche schalttafel mit einer angenehmen beleuchtung.
auch kontraste sind eine möglichkeit, um emotionen zu wecken. ein schwarzer innenraum braucht einen helligkeitskontrast, der über alu applikationen oder farbabstufungen im textil oder strukturunterschiede erreicht wird. manchmal haben dinge, die auf den ersten blick nicht gefallen, den effekt, dass man sie besonders lieb gewinnt. durch den langen gewöhnprozess hat man viel gefühl investiert und nimmt sie dadurch intensiver wahr.

ein gerät, ein produkt, ein auto kann noch so ästhetisch, noch so cool und „stylish“ geformt sein, wenn es nicht „funktioniert“, wird es vom konsumenten auch nicht angenommen. wo liegt eurer meinung nach die ideale mischung zwischen „form and function“?
max: vw war immer der inbegriff für ein funktionales produkt mit einer subtilen emotionalität. es war eher „guter freund“ als „objekt der begierde“. heute möchten wir, dass die beziehung mit begehren beginnt und sich zu einer freundschaft entwickelt. trotzdem ist die funktionalität nach wie vor ein wichtiger bestandteil unserer produkte. sie hat sich zu einer ‚emotionalen funktionalität’ entwickelt. im falle des roadsters kann die funktion auch darin liegen, dass das auto einfach so viel spaß wie möglich vermittelt.

formen, designs, stil-codes kommunizieren über alle kultur- und sprachgrenzen hinweg, sprechen die sinne der menschen an. ist modernes design so etwas wie eine globale „weltsprache“?
manu: bei der form des autos ist das so. farben und materialien müssen aber an die verschiedenen länder und kundenwünsche angepasst werden. es gibt verschiedene vorlieben oder kulturbedingte abneigungen gegen farben und deren kombinationen. die kundenwünsche werden dann durch ausgeklügelte kombinationsmöglichkeiten erfüllt. in den usa zum beispiel ist silberner lack und ein innenraum in beige eine bevorzugte variante.

emotionales design zieht sich heute vom küchengerät bis zum staubsauger und der waschmaschine. wie schafft man es, aus einem rein technischen produkt ein produkt mit style und gefühl zu formen?
max: das kann über die oberflächen geschehen, aber auch über das gesicht des autos. ich halte mir zum beispiel die formalen gesetzmäßigkeiten gewachsener, lebendiger körper immer vor augen. dadurch entstehen im design oberflächen, die kraft und dynamik ausstrahlen, auch wenn sie nicht in bewegung sind. außerdem können wir das lichtspiel und die reflexionen auf dem fahrzeug in den oberflächen so kontrollieren, dass es in bewegung noch lebendiger wirkt. jedes auto hat eine ganz bestimmte anatomie: die lage der scheinwerfer, die proportionen der front usw. wir können diesen elementen darüber hinaus auch eine mimik geben. der „concept r“ zum beispiel hat bewusst einen neutralen, sogar sympathischen ausdruck in den mundwinkeln, aber einen sehr bestimmten und fokussierten blick. durch diese kombination weckt er sympathien, lässt aber im rückspiegel keinen zweifel daran, was er will!

ihr „formt“ mit euren (auto-)designs und -ideen auch das ästhetische empfinden der konsumenten. eigentlich eine ziemlich machtvolle position, oder?
max: ich denke, wir haben das talent emotionen und bedürfnisse der menschen in eine form zu bringen - es ist einfach unsere sprache, so wie musik emotionen akustisch zum ausdruck bringt. im grunde sind sich musik und design nicht so unähnlich. beide finden einen dreidimensionalen ausdruck von gefühlen. beide haben logische grundlagen, die gut verpackt als pure emotion wahrgenommen werden. beide können durchaus süchtig machen.
manu: ... allerdings behalten wir die kunden sehr genau im auge, um deren interessen und wünsche für die nächsten acht bis zehn jahre zu erforschen. es findet eine gegenseitige beeinflussung von konsument und designer statt.

wie gestaltet sich eigentlich der alltag als (auto-)designer: geht ihr am morgen ins design-studio, trinkt kaffee und dann fließen die ideen und visionen der zukunft ...?
max: hat sich unser ‚breakfast club’ also schon herumgesprochen?
manu: der prosecco bei den meetings auch?
max: nein, im ernst, für uns als designer ist kommunikation inspiration. insofern entstehen auch viele ideen im dialog; das ist manchmal wie ein natürliches brainstorming: der eine hat eine idee, der andere baut darauf auf u.s.w.

warum glaubt ihr, reflektieren gerade urbane menschen so besonders auf retro- und vintage-designs, siehe beispielsweise der kult rund um den vw-käfer?
manu: retro hat einerseits emotionale gründe, wie romantische erinnerungen an die eigene kindheit, die vielen menschen ein lächeln ins gesicht zaubert und sie zum träumen anregt. andererseits sucht gerade der großstadtmensch - beeinflusst durch die ständige reizüberflutung - nach mehr ruhe und einfachheit in gegenständen oder fahrzeugen. die form des käfers ist sehr schlicht und lässt sich mit ein paar schnellen strichen zeichnen. das interieur besteht im wahrsten sinne des wortes aus einer schalttafel mit ein paar knöpfen und einem großen instrument ohne schnickschnack. vintage bietet zusätzlich eine möglichkeit der individualisierung. ein altes auto oder ein altes gebrauchtes kleid gibt es so nur einmal auf der welt, denn durch das benutzen entsteht eine patina, die man nicht reproduzieren kann. das macht das produkt so wertvoll und einzigartig.

in unserer schnelllebigen zeit ist alles sehr austauschbar, sehr kurzzeitig geworden. auf der anderen seite gibt es so eine art gegenbewegung hin zu dingen und produkten mit authentizität und beständigkeit. gibt es für euch so etwas wie „moderne zeitlosigkeit“?
max: ja - gerade volkswagen steht für ‚moderne zeitlosigkeit’. klar ist es schwer autos zu gestalten, die lange begeistern und interessant bleiben, aber genau das ist es, was wir wollen. nehmen wir einmal den menschlichen körper: die oberfläche ist hoch emotional und immer aufs neue faszinierend, darunter ist ein perfekt optimiertes knochengerüst, komplett logisch. nichts ist zuviel oder zuwenig - das ist gutes design!

kann emotionales (auto-)design vielleicht sogar glücklicher machen, bessere stimmung verbreiten?
max: ich denke schon. jeden morgen nicht nur das gefühl zu haben eine rational richtige entscheidung getroffen zu haben, sondern immer wieder beim einsteigen die gänsehaut zu spüren macht doch glücklicher, oder? (lacht)
manu: ... und ehrlich gesagt, versetzt mich die aussicht auf unseren reinrassigen und sportlich eleganten roadster doch gleich in eine bessere stimmung.
helmut wolf
pool journal