10
 
   
photos: agnés b., gsus, rsb, 667, retrofame
t-mail
t-shirts mit botschaft sind ein modisches phänomen der vergangenen jahrzehnte. ob politisch, ironisch oder sportlich: t-mails kommen an.
„naomi hit me“ prangt auf der vorderseite eines t-shirts in großen lettern. die ironische anspielung auf einen prozess, den eine ehemalige assistentin gegen das supermodel führt, löst sich auf der rückseite des shirts in wohlgefallen auf. „and i liked it“. anlässlich der diesjährigen new york fashion week hatten die modezwillinge chip und pepper forster mit diesem shirt, das sie an das publikum verteilten, einen gewaltigen pr-coup für ihr gleichnamiges label gelandet. besonders, als naomi campbell den gag zu ihren gunsten verwertete und im chip & pepper shirt zur new york fashion week erschien.
bestimmt nicht das letzte beispiel einer erfolgreichen t-mail, einer botschaft, die über ein t-shirt kommuniziert wird. geprägt haben diesen begriff die zahlreichen start-ups der letzten jahre, die ihren erfolg den aussagekräftigen spruchprints zu verdanken haben.
nicht selten sind aktuelle politische oder gesellschaftliche anlässe die initialzündung eines t-shirt-erfolgs. dolce & gabbanas bekenntnis „i love ny“ nach den terroranschlägen auf das world trade center etwa oder john gallianos appell „dior, not war“ anlässlich des irak-kriegs knüpfen nahtlos an die große tradition der politischen shirts in den 1960er jahren an. damals waren t-shirts botschafter aller nur erdenklichen politischen messages. die tradition des „polit-shirts“ ließen nicht zuletzt labels wie retrofame wieder auferstehen. die wiener design-company hat vor vier jahren begonnen, vintage-shirts aus den usa zu importieren, zu recyceln und nach dem zufallsprinzip in trendige läden zu bringen. vom erfolg überrannt, hat man mittlerweile begonnen, außergewöhnliche printmotive auch in ein archiv aufzunehmen und in den sogenannten „re-issues“ in größerer stückzahl wieder aufleben lassen. das umfangreiche retrofame-archiv an vintage t-shirt-drucken macht klar, dass es eigentlich keine botschaft gibt, die nicht irgendwann auch über bekleidung, insbesondere t-shirts, unterstrichen wurde.
einem ähnlichen prinzip wie retrofame bedient sich auch das londoner label worn by, das t-shirts wieder auflegt, die von ikonen des musikbusiness getragen wurden. wer jetzt an ac-dc shirts denkt, liegt weit daneben. mick jagger, tom jones, frank zappa und konsorten sind die vorbilder, nach denen man sich bei worn by orientiert. doch nicht nur die ikonen von damals haben das potential, trends zu setzten. die ebenfalls aus london stammende company „bored of“ landete mit ganz und gar jungen stilikonen einen verkaufshit in häusern wie selfridges. „bored of the beckhams“ war die umissverständliche botschaft ihrer shirts, die in london innerhalb von wenigen tagen ausverkauft waren. ob david und victoria beckham ihre freude mit den beliebten t-shirts hatte, sei dahingestellt.
wenn die marke 81hours über t-shirts nachdenkt, so sind das ergebnis meist sehr edle jerseyteile, die ganz und gar ohne botschaft auskommen. ihren wirklichen hit und entsprechend gute veröffentlichungen schaffte die marke allerdings mit den süßen 7-days-a-week shirts: monday, tuesday, wednesday, thursday, friday, saturday und sunday in einem package. denn kalt lässt ein t-shirt mit einer kommunikationsaufforderung wohl niemanden. in guter erinnerung ist noch immer die anzeigenkampagne des musiksenders mtv, bei der portraits von archetypen plakative botschaften zugeordnet wurden. „luder“, „muttersöhnchen“ oder „stubenhocker“ haben sich seither verselbstständigt und von vielen verschiedenen t-shirt-brands kräftig unterstützung bekommen. der jüngste schrei: sprüche mit lokalkolorit wie von der schweizer brand sterne5 – sprich sterneföifi“.
interessant ist auch zu beobachten, wie gut t-shirt-messages funktionieren, die aus der reihe fallen. erwachsene mit bärchen- oder paul-frank-affen-motiven stehen plötzlich kindern gegenüber, auf deren leibchen in sportlichen lettern steht „master of desaster“ oder „mothers nightmare“. ein spezialgebiet, auf das sich die firma 667 baby of the beast verlegt hat. die babybodies, leibchen und trainingsanzüge für die kleinen sind mit kessen sprüchen versehen – die nicht nur den kindseltern ein lächeln ins gesicht zaubern. so ist es nur folgerichtig, dass die kollektion nicht über kindermodengeschäfte verkauft wird, sondern über trendstores in ganz europa. ein prinzip, das jetzt selbst celebrities für sich entdecken: john bon jovi und rico torres zeichnen für die linie rock star baby verantwortlich. rocker-sprüche und tattoo-prints prangen von rippshirts in xxxs. wenn mutti und vati dann auch auf den geschmack der schmerzfreien tätowierung kommen, schafft die marke ed hardy aus los angeles abhilfe – die druckt nämlich unter der regie des ehemaligen von dutch-designers die motive von l.a.s begehrtestem hautart-künstler, don ed hardy, auf authentisch gewaschene vintage-shirts.
martina müllner
pool journal