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häufig gestellte fragen
was verbindest du mit dem begriff schönheit?
privat: menschen, die wie ein hafen sind, bei denen ich nichts beweisen muss und zur ruhe komme. bei der mode: kreationen, die durch bewunderung anderer zu objekten erstarren.
devise: adore but don´t touch! schönheit ist für mich wie glück aus zartestem glas!
was inspiriert dich besonders?
starke bilder und atmosphären aus filmen, musikvideos, oper, theater. am kreativsten bin ich allerdings bei unmöglichsten
liebes- oder beziehungskonstellationen. wenn sich menschen gleichzeitig unheimlich nah und fern sind oder sein müssen ...
wovon träumst du?
oh je, darüber könnte ich mindestens zwei bücher schreiben, fünf filme drehen und eine oper in auftrag geben! davon abgesehen, dass viele träume auch tatsächlich passieren, sind es oft sehr starke technicolor-bilder gemischt mit einer hypergestylten slow motion-unheimlichkeit ... tja, was stellt man sich jetzt so vor?!
wofür nimmst du dir besonders viel zeit?
zum aufwachen, pünktlichsein, recherchieren und entwerfen ... und: jederzeit für freunde!
was bewegt dich am meisten?
a.) ein rührender vater-kind–zustand, egal ob real oder im film. b.) am premierenabend einen tobenden applaus von über 1.000 menschen aus dem zuschauerraum entgegen zu nehmen.
deine lieblingsmusik?
schwer einzugrenzen, sieht in etwa so aus: in der früh mozart, am abend britney spears bis justin timberlake, zwischendurch eine gute hiphop/r’nb-mischung und immer wieder ein guter verdi, schostakowitsch oder seltener „farnace“ von vivaldi.
dein bevorzugtes outfit?
gut geschnittene auf den ersten blick einfache linien, ergänzt mit einem guten gürtel, passend zur tasche oder einem anderen detail. kriterien sind schlicht, hochwertig und sexy.
dein lieblingsbuch?
das letzte buch, das mich durch seine einfachheit und aussage zum weinen gebracht hat, war „der alchemist“ von paulo
coelho. gerade lese ich die „wahlverwandtschaften“ von goethe.
dein liebster ort?
komischerweise existiert er nicht! aber wenn ich außerordentlich glücklich oder verliebt bin, bekommen orte, an denen ich mit dem/den auserwählten zusammen war, so einen status. an diese orte kehre ich gerne zurück!
wirbelnder sturm im zarten glas
„mit so einer geschichte kannst du’s gar nicht eilig genug haben“, erklärt amra rasidkadic ihren noch jungen, aber doch sehr ereignisreichen lebenslauf. der krieg im ehemaligen jugoslawien, die flucht nach deutschland und österreich und ein rasanter weg, der sie zu vielen unterschiedlichen opern-, theaterhäusern und mode-laufstegen europas führte, dokumentiert eine turbulente reise zwischen verschiedenen welten. und es scheint, als hätte gerade die aufreibende flucht vor dem krieg der heutigen bühnenbildnerin und modedesignerin eine unerschöpfliche kraft für das leben mitgegeben ...
theater und mode sind nur auf den ersten blick eigene welten für sich. in beiden dieser bereiche werden geschichten, lebensgeschichten erzählt, visionäres inszeniert, allgemeine stimmungen und gefühle visuell dargestellt. auch für amra rasidkadic, 25, gehören mode und theater unweigerlich zusammen, sind dies quellen der kreativität und mentalen kraftschöpfung. und irgendwie findet sie im bühnenbild und beim entwerfen von modekostümen sogar eine form von heimat, einer art gestalterischen heimat, welche sie ja als jugendliche so schmerzlich verloren hatte. als sie damals als 14-jährige in den kriegswirren des ehemaligen jugoslawiens im zickzackkurs durch sarajevo laufen musste, um nicht von den heckenschützen getroffen zu werden, waren ihre perspektiven gleichermaßen null. eine vorstellung, wie es weitergehen sollte und vor allem, wohin sie gehen sollte, waren für sie nicht einmal erahnbar. „mit einem mal, war alles weg“, erzählt amra über diesen zeitabschnitt. mit ihrer mutter flüchtete sie 1992 zunächst zu ihrer tante nach zagreb, wo sie die musikakademie besuchte und in nur drei wochen „als beste“ abgeschlossen hatte. danach wurde sie nach stuttgart eingeladen, ging ins „gymnasium der englischen fräulein“ und landete schließlich im september `93 am mozarteum in salzburg, wo sie ihre klaviertätigkeit vertiefen konnte und ihre liebe zur musik, zur oper und zum bühnenbild entdeckte.
eile, dynamik und schnelligkeit scheinen amra als roter faden seither zu begleiten. galt das laufen damals als überlebensprinzip, so geht es heute darum, in möglichst kurzer zeit viele positive dinge in bewegung zu setzen. denn: „mit so einer geschichte kannst du es gar nicht eilig genug haben“, erläutert die stets vor ideen sprühende designerin. „es klingt paradox, aber ich schöpfe aus all dem, was ich verloren habe viel kraft.“ der verlust der heimat und der familie hat zu einer gewissen form von rastlosigkeit geführt. das prinzip „wer alles verloren hat, möchte umso mehr zurück gewinnen – und das schnell“ ist bei amra rasidkadic präsenter denn je. die erst 25 jahre junge bosnierin mit wohnsitz in wien hat eigentlich schon soviel erlebt und geschaffen, wie dies oft erst nach einem 50-jährigen leben möglich zu sein scheint. da bedarf es schon einer großen kraftquelle, die möglicherweise irgendwo zwischen sarajevo und zagreb liegt.
amras gestaltungswelten wurden jedenfalls die bühnenbilder der theater- und opernbühnen und etwas später die großen ausdrucksmöglichkeiten der modekostüme. als assistentin, dann als künstlerische mitarbeiterin des bekannten bühnenbildners erich wonder wirkte sie bei einer reihe von vielfältigen bühnenkreationen mit, die sie an unterschiedlichste kulturstätten europas führten: so unter anderem für „don carlos“ an das opernhaus stuttgart, für „cosi van tute“ an das opernhaus zürich, für „das weite land“ zu den salzburger festspielen, als künstlerische mitarbeiterin für botho strauß` stück „pancomedia“ an das schauspielhaus bochum oder an das hamburger kunst- und performance-forum „kampnagel“, wo sie in alleinregie das bühnenbild für das stück „norka“ anfertigte. im september 2002 gestaltete amra am landestheater salzburg für das stück „nachtmusik“ erstmals nicht nur das bühnenbild sondern entwarf auch die kostüme. „da habe ich gemerkt, dass ich kostüme total geil finde. endlich konnte ich menschen nach meinen vorstellungen kreieren, eigene armeen schaffen“, beschreibt sie den prozess dieser horizonterweiterung. zeigt sich bei den bühnenbildern ihre liebe zu ganz klaren linien und formen, so findet die von der bühnen- nun auch zur modedesignerin avancierte künstlerin hier eine spielwiese der unbegrenzten möglichkeiten. „meine kostüme sind chic und krank gleichzeitig. es muss irgendwie weh tun, jedoch auch elegant und sexy sein“, umschreibt amra rasidkadic ihren ganz besonderen stil. und dass ihre sehr eigenwillige art des kostümdesigns auf fruchtbaren boden fällt, beweist die kurz darauf folgende teilnahme bei der talente-veranstaltung „its#two“ im italienischen triest, wo amras outfit-kreationen aus über 680 portfolio-einsendungen aus der ganzen welt für die teilnahme auserwählt wurden. für diesen vom fashionlabel
„diesel“ ins leben gerufenen jungdesigner-wettbewerb gestaltete amra spacig-barocke kostüme, die ihre anleihen in filmen wie „vertigo“,
„brazil“ oder „blade runner“ finden. in ihren plakativen modekostümen spiegeln sich die widersprüche im leben. „dennoch“, meint amra, „soll mode grundsätzlich da sein, um jemanden schön und besonders zu machen.“ ähnlich wie beim bühnenbild findet sie nun also auch beim mode-design eine weitere möglichkeit, „kreativität zu bündeln und sofort umzusetzen.“ schon bald beispielsweise auch am schauspielhaus bochum, wo sie für moritz rinkes stück „die optimisten“, das im november aufgeführt wird, die kostüme entworfen hat. ihrer lebensphilosophie der kreativen schnelligkeit bleibt sie damit auch in zukunft treu.
helmut wolf
pool journal