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like music to my ears
jacke, top, jeans und – kopfhörer! wer sich auf den straßen, in den u-bahnen und zügen umsieht, wird vielleicht erst am zweiten blick bemerken, dass coole earphones und stylishe headphones zum bestandteil des outfits avanciert sind. das hat steven schöller, product manager beim renommierten kopfhörer-unternehmen sennheiser, ebenfalls bemerkt.
mit musik in den ohren schaut die welt ganz anders aus. da kann der himmel noch so grau sein, mit der passenden musikalischen untermalung unterwegs, wird die umgebung zum stimmungsvollen rahmen. die zunehmende mobilisierung unserer gesellschaft bringt es mit sich, dass immer mehr menschen musik unterwegs hören wollen. entsprechend stark entwickeln kopfhörer, earphones, headsets auf und in den ohren eine optische präsenz. neben dem reinen nutzen des kopfhörers, lässt sich durch farb-, design- und formgestaltung auch ein modisches statement vermitteln: der kopfhörer wird zum „stylishen“ accessoire. steven schöller, product-designer beim 1945 gegründeten kopfhörer-unternehmen sennheiser, kann dazu einiges erzählen.

wenn man sich bei den leuten auf den straßen umsieht, so scheint es, als würden „stylishe“ kopfhörer, ohrhörer, headsets ... immer mehr zum bestandteil des gesamt-outfits werden. wie beurteilen sie diese entwicklung?
ganz grundsätzlich geht der trend in richtung convenience, emotionalität sowie natürlich innovation & design. dies trifft auf nahezu alle produktbereiche der heutigen zeit zu, egal ob konsum- oder gebrauchsgüter. wir befinden uns in einer welt, in der kunden immer stärker “erlebnisorientiert“ und weniger “ergebnisorientiert“ denken und leben. anders ausgedrückt: der kunde möchte heutzutage nicht ausschließlich ein produkt, das seinen funktionalen grundnutzen erfüllt - beispielsweise ein getränk als reinen durstlöscher - sondern auch seinen emotionaleren werten gerecht wird. dies kann man zweifelsohne auch auf kopfhörer übertragen. unser ziel ist es, so gut wie möglich emotionalen und funktionalen nutzen in einklang zu bringen. hierbei spielt natürlich das produkt an sich aber vor allem auch die marke eine tragende rolle. dies bedeutet, dass wir nicht nur die aufgabe haben, exzellenten klang zu entwickeln, sondern auch eine zielgruppengerechte farb- und formgestaltung.

gibt es bei sennheiser so etwas wie eine „modische kopfhörer-kollektion“ oder lautet die formel eher „form follows function“?
unserer meinung nach müssen sich die beiden aussagen nicht gegenseitig ausschließen. grundsätzlich sollte “form follows function“ nicht dahingehend missverstanden werden, dass ein unterordnen von gestaltungsparadigmen in schwachem design mündet. man darf zudem nicht vergessen, dass die „form“ bzw. ästhetik schließlich auch selbst eine „funktion“ erfüllt. im allgemeinen lautet unser ziel, ein jeweils möglichst zeitloses und zielgruppengerechtes design zu entwickeln, ohne dabei wichtige funktionale nutzenelemente wie klang und tragekomfort negativ zu beinträchtigen.
natürlich kann es bei sehr langen produktlebenszyklen auch passieren, dass ein gewisses design irgendwann nicht mehr ganz zeitgemäß in erscheinung tritt. wesentlich später, nachdem das produkt bereits längst vom markt genommen wurde, kann dann wiederum der allgegenwärtige „retro“ trend einsetzen und ein bestimmtes produkt, wie unseren hd 414 aus den 60er jahren, zum kultobjekt werden lassen.

im heurigen jahr feiert sennheiser sein 60jähriges jubiläum. gratulation! wie schafft man es eigentlich, über einen derart langen zeitraum eine solch konsequente produktphilosophie zu verfolgen und dennoch immer innovativ und modern zu bleiben?
zunächst danke für die gratulation. also grundsätzlich lässt sennheiser seinen ingenieuren viele freiheiten, denn auch mal „spinnen“ zu dürfen lässt entwicklungsvorsprünge entstehen. zudem hören wir genau zu, wenn unsere kunden etwas sagen. dem kunden genau das zu geben, was er haben möchte, konstituiert schließlich den fundamentalen grundgedanken im marketing. es ist also die gesunde mischung aus „bedarf wecken“ und bedarf decken“, die unsere grundsätzliche produktphilosophie solide stützt.

die erhöhte mobilität der menschen verlangt es, dass gerade technische produkte immer mehr „für unterwegs“ entwickelt, konstruiert werden. wie sieht ihre ausrichtung in bezug auf den verstärkten bedarf an outdoor-equipment aus?
unser portfolio bietet selbstverständlich produkte für mobile anwendungen an, wenngleich nicht ganz in dem umfang wie es einige mitbewerber tun. doch den wunsch der kunden und das daraus resultierende potenzial, verstärkt portable lösungen anzubieten, haben wir in den letzten jahren klar erkannt. daraufhin haben wir begonnen, hochwertige portable in-ear- und kopfbügelhörer zu entwickeln. ein beispielhaftes aushängeschild für innovatives design und höchste klangqualität sind zweifelsohne die vielprämierten faltbaren hörer unserer „px familie“. zudem darf ich schon jetzt verraten, dass dies nur der anfang war, um langfristig sennheiser auch in der mobilen welt der kopfhörer als die marke erster wahl zu etablieren.

retro- und vintage-looks mit anlehnung an die designs der 60er-, 70er- und 80er-jahre sind im mode- und lifestyle-bereich sehr beliebt. inwieweit spielen diese „back to“-trends bei sennheiser eine rolle im produkt-design?
retro- und vintage-looks spielen zwar eine rolle für sennheiser, jedoch derzeit eine eher untergeordnete bzw. nischenorientierte. man muss sehr genau sondieren, inwieweit der eigene markt bereit ist retro-produkte anzunehmen, bevor man vorschnell versucht, auf der großen welle mitzureiten. andererseits spricht auch etwas dafür, es einfach mal zu wagen, wenn sich beispielsweise der eigene entwicklungsaufwand in grenzen hält. dies haben wir bereits in den 90er jahren erfolgreich mit der wiederauflage unseres klassikers hd 414 umgesetzt - damals im jahre 1968 der erste dynamisch offene kopfhörer der welt.

wieso glauben sie, sind die kopfhörer von sennheiser gerade bei musikliebhabern, high fidelity-fans und djs so beliebt?
wir sehen uns in all unseren produktsegmenten als „solution provider“. wir gehen auf die bedürfnisse unserer kunden ein und bieten die bestmögliche lösung, egal wie speziell die anforderung sein mag. wir haben uns über die jahre hinweg als marke deswegen etabliert, weil wir versuchen, stets höchste qualität, herausragenden klang und ansprechendes design zu bieten. für viele unserer kunden, vom professionellen dj bis hin zum audiophilen klassikhörer, lautet die einfache rechenformel „kopfhörer = sennheiser“.

es gibt mittlerweile einen riesigen boom an billiganbietern in allen marktsegmenten. wie versucht sennheiser sich von diesen billigen produkten zu unterscheiden und den konsumenten das höhere preisniveau zu erklären?
einen gewissen druck aus dem asiatischen raum spüren auch wir hin und wieder. dieser spielt natürlich in einigen segmenten eine stärkere rolle als in anderen. ein unbekannter billiganbieter im high-end-segment wäre ohnehin ein paradoxon und würde uns, wenn es überhaupt vorkommt, kaum kopfzerbrechen bereiten. grundsätzlich haben wir mit asiatischen billiganbietern kein wirkliches problem. der kunde, der sennheiser kauft, erwartet in der jeweiligen preisklasse das beste. und genau das bekommt er von uns. dafür ist er bereit auch etwas mehr zu bezahlen. jemand, der maximal 3,99 euro für einen in-ear hörer bezahlen will, ist für uns uninteressant. wir können ihn nicht bedienen und möchten es auch nicht. das weiß der kunde und erwartet es auch nicht. dies soll jedoch nicht bedeuten, dass wir grundsätzlich deutlich teurer sind als der vergleichbare, in asien produzierende, wettbewerb. dennoch, die altgediente englische weisheit „you get what you pay for“ trifft auch auf unsere produkte zu.
anhand unserer eigenen qualitätsstandards vergleichen wir regelmäßig marken- und no-name-produkte der konkurrenz mit unseren eigenen und stellen immer wieder fest, dass unser level selten erreicht wird, schon gar nicht von den no-names. dies bestätigen uns auch unsere kunden im direkten kontakt. viele von ihnen nutzen ihren sennheiser-hörer bereits seit 15 oder 20 jahren ohne probleme, manche sogar länger. verschleißteile, wie ohrpolster, sind sogar für sehr alte produkte heute noch nachzukaufen. solche kunden werden auch ohne lange nachzudenken uns als bevorzugte marke weiterempfehlen oder wieder kaufen. diese markentreue ist von großem vorteil.
helmut wolf
pool journal