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two is company
was verbindet so renommierte autohersteller wie lancia und ermenegildo zegna? oder fiat und alessi? vieles, würden beide firmen antworten.
es sind zunächst nur ein paar hinweise, die die fährte weisen: ein seidentuch aus der lancia kollektion, produziert vom italienischen luxuslabel ermenegildo zegna. oder auffällig viele lancia modelle, die auf den parkplätzen vor der zegna stofffabrik in trivero parken. nicht irgendwo versteht sich, nein, die besondere häufung fällt besonders auf den parkplätzen der familie zegna ins auge. was den erfolgreichen familienkonzern ermenegildo zegna und das haus fiat, den mutterkonzern von lancia, verbindet, ist gegenseitige wertschätzung. wertschätzung für edelstes italienisches design, für dessen internationalen erfolg. beiden firmen gemein ist eine untrennbare verbindung mit „ihrer“ region. turin ohne fiat wäre ebenso unvorstellbar wie trivero ohne zegna. die oberitalienische automobilmetropole und das kleine bergdörfchen trivero liegen kaum eine autostunde von einander entfernt. eine gute voraussetzung für eine fruchtbare kooperation wie diese. warum wählt lancia ausgerechnet die marke ermenegildo zegna, um unter anderem schals, tücher, krawatten für seine kunden zu fertigen? eine antwort findet man bei einem besuch der maison zegna.
wir begeben uns in das kleine bergdorf trivero, nahe dem städtchen biella, das in italien als kompetenzzentrum für die fertigung von stoffen höchster güte bekannt ist. eine kurvige straße schlängelt sich einen bergrücken hoch, es ist der italienische teil der alpen, den wir hier bereisen. ist die letzte kurve genommen, steht sie plötzlich da, die beeindruckend große „woolmill“ von zegna. doch nicht nur sie. auch ein ganzes städtchen, samt und sonders im auftrag von ermenegildo zegna, dem großen pionier des familienunternehmens, erbaut. denn „großvater“ zegna hatte eine vision: um seine stoffproduktion zur führenden des landes zu machen, wusste er, dass er seinen arbeitern mehr bieten müsste als bloß einen job. in den 1930er jahren verwandelte er daher sein heimatdorf radikal nach seinen vorstellungen: er ließ eine schule, ein krankenhaus, ein schwimmbad, unterkünfte, ein hotel und freizeiteinrichtungen bauen, die allen arbeitern seiner fabriken offen standen. gleichzeitig fasste er einen ehrgeizigen plan: die berge rund um trivero, damals allesamt abgerodet, sollten wieder aufgeforstet werden, und mitten durch die im entstehen begriffene „oasi zegna“ solle eine bergstrasse führen, die „panoramica zegna“. über 500.000 bäume ließ er ab dem jahr 1938 setzten, 14 kilometer straße ließ er von führenden ingenieuren planen und von den besten ihres fachs fein säuberlich pflastern. ein vorhaben, über das seine zeitgenossen nur den kopf schütteln konnten. wozu eine straße „nach nirgendwo“ bauen, einfach zum selbstzweck? nicht wenige industrielle erklärten den visionär zumindest für unzurechnungsfähig, wenn nicht sogar für verrückt. das ganze land, das ermenegildo zegna erworben hatte und jetzt so teuer aufforsten ließ, hatte für sie keinen wert. doch ermenegildo zegna war sich sicher: eines tages würden nicht nur seine arbeiter in die alpine erholungsoase reisen, dort übernachten, in den rhododendren- und hortensiengärten wandern, boccia spielen oder schi fahren, eines tages würden auch andere touristen kommen. ein gedanke, der uns heute schlüssig scheint, doch damals war er so visionär wie verwegen. denn zegna fasste ihn zu einer zeit, da selbst der tourismus am meer noch nicht einmal entwickelt war! geschweige denn, dass irgendjemand dachte, den bergigen teil italiens zu bereisen. die zeit gab ihm recht, auch wenn er selbst diese bestätigung nicht mehr erlebte. heute leitet seine enkelin laura zegna die geschicke der oasi: „wir sind heute froh über seinen weitblick, denn jetzt, wo viele stofffabrikanten von der schließung bedroht sind oder ihre produktion auslagern, können wir unserer region eine neue perspektive weisen.“
es ist dieser beeindruckende weitblick, der nicht nur lancia am hause zegna fasziniert. denn in treviso wird jeden tag unternehmergeschichte geschrieben. kein wunder also, dass sich ein anderer pionier der italienischen industrie von diesem beispiel angezogen fühlt – und lancia stolz ist auf diese partnerschaft, die mehr ist als eine bloße marketingidee. und ebenso wundert es kaum, dass diese kooperation nicht die einzige im hause fiat bleibt. einen stilistischen dialog ging die fiat-gruppe kürzlich auch mit alessi ein, einem weiteren klingenden namen des italienischen designs. der alessi-designer stefano giovanni durfte sich dabei am fiat panda „austoben“. er „kleidete“ nicht nur die karosserie zweifarbig ein, er unterzog auch den innenraum einem restyling, frei nach den idealen der designmarke alessi. knallige farben, runde formen und eine deutliche prise der alessi-typischen ironie zeichnen den „alessi panda“ aus. synergien wie diese symbolisieren den offenen geist der fiat-gruppe und die freude, sich von kooperationspartnern inspirieren, anspornen und faszinieren zu lassen.
martina müllner
pool journal