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foto: estée lauder
black beauty
schneeweißer teint war lange die grundbedingung für models, um einen werbevertrag mit einer globalen kosmetikfirma zu bekommen. ein dogma, das langsam aber sicher aufgeweicht wird.
es war das jahr 1974, es war ein cover der us vogue und es war ein meilenstein. mit beverly johnson war erstmals eine dunkelhäutige frau auf dem cover des renommierten modemagazins. dass es so lange dauern würde, bis eine „black beauty“ diese ehre für sich beanspruchen würde, hätten sich die initiatoren der gleichbehandlungsbewegung in den usa wohl nicht träumen lassen.
die geschichte der dunkelhäutigen models im mode- und kosmetikbusiness ist bis heute noch keine ruhmreiche. noch immer berichten besonders us-modelagenturen, dass es schwierig sei, dunkelhäutige mädchen für lukrative jobs vorzuschlagen. auch wenn die diskriminierung heute diskreter ablaufe als noch vor 20 jahren. „wir haben unser schwarzes mädchen für die modeschau schon“, „der kunde wünscht keine ethnischen auffälligkeiten“, „der fotograf ist nicht spezialisiert auf dunkelhäutige“ seien die gängigsten vorwände gegen die besetzung mit dunkelhäutigen frauen. höflichkeiten im vergleich zu den erlebnissen, die das kenianische model iman zu beginn ihrer karriere machte. „noch bevor ich in die usa kam wurde bereits ein konkurrenzkampf zwischen beverly johnson und mir inszeniert. denn allen war klar: es gibt nur platz für einen „beautiful nigger“, so das model in seiner autobiographie. das von der branche und den agenten der beiden inszenierte duell hatte ein jähes ende, als iman und beverly zu freundinnen statt konkurrentinnen wurden. iman: „mit unserem friedensschluss brachen wir die regeln des business. fortan würde es nicht eine, sondern zwei von uns geben.“
rassistische vorbehalte waren längst nicht die einzigen hindernisse für beverly, iman und ihre nachfolgerinnen, um gute jobangebote an land zu ziehen. iman: „die make-up-farben, die sie für frauen wie mich hatten waren grauenvoll, daher begann ich mein eigenes make-up mitzubringen.“ aus der not machte sie eine tugend: 1994 lancierte das model eine eigene kosmetiklinie, die den speziellen bedürfnissen von dunkler haut entspricht.
in den späten 80er und frühen 90er jahren besserte sich die situtation merklich. immer mehr afroamerikanische schönheiten liefen über die laufstege und posierten in modeshootings der etablierten magazine. naomi campbell schaffte gar den sprung in die liga der „supermodels“. auch ihre kolleginnen beverly peele, karen alexander, tyra banks und veronica webb waren gut gebucht. 1992 war webb das erste dunkelhäutige model, das einen hochdotierten vertrag mit dem kosmetikkonzern revlon abschloss. selbst solche meilensteine konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass schwarze frauen in der high fashion nach wie vor die ausnahme bildeten. auch veronica webb brachte stets ihre eigenen schminksachen auf das set. auch um ihr haar musste sie sich meist selbst kümmern – mit den eigenheiten des afroamerikanischen haars waren nur wenige haarstylisten vertraut. den visagisten und hairstylisten rassismus zu unterstellen wäre falsch. die arbeit mit dunkler haut und haar verlangt schlicht spezielle kenntnisse. viele profivisagisten und haarstylisten scheuen diese herausforderung aus unkenntnis und aus angst, einen schlechten job zu machen. erstaunlicher ist dagegen schon, dass die industrie diese situation noch immer nicht im griff hat. erst kürzlich wurde in den usa der fall eines afroamerikanischen models bekannt, das bei zwei lukrativen anzeigenkampagnen gefeuert wurde, weil niemand mit ihrem haar umgehen konnte.
bei anzeigenkampagnen, der kür im modelbusiness, gibt es noch immer unterschiede zwischen weißen und dunkelhäutigen models. während weiße models fixe jahresverträge abschließen, ist das bei dunkelhäutigen frauen noch immer die ausnahme. zudem gibt es neue konkurrenz aus dem showbiz: revlon wirbt mit halle berry und lucy liu, l´oréal setzt auf die bekanntheit von beyoncé knowles. daher darf es selbst im neuen jahrtausend nicht verwundern, wenn die verpflichtung eines dunkelhäutigen models, wie jüngst durch estée lauder, noch immer der rede wert ist.
iman, naomi campbell, alek wek und viele namenlose gesichter mussten über die laufstege dieser welt flanieren, um die dunkelhäutigen schönheiten einen normalen anblick in der welt der mode werden zu lassen. das weiß auch liya kabede, die gemeinsam mit carolyn murphy und elizabeth hurley das estée-lauder-trio bildet. die gebürtige äthiopierin wirbt für die produkte des amerikanischen kosmetikkonzerns. neun millionen dollar ist ihr gesicht dem global player wert. trotz, ob, oder gerade wegen ihrer hautfarbe? fest steht, dass die kampagnenmotive mit liya auch in den elitemedien wie der amerikanischen vogue oder w platziert werden und nicht nur in jenen frauenmagazinen, die hauptsächlich von der afroamerikanischen bevölkerung gelesen werden. für estée lauder ist liya kabede eine möglichkeit, die marke moderner, hipper und globaler aussehen zu lassen. und bestimmt auch ein garant für steigende absatzzahlen. denn dunkelhäutige frauen machen in den usa immerhin rund 20 prozent der käufer aus. zeitgerecht zu kampagnenstart hat estée lauder daher auch die farbpalette der foundation-töne erweitert. mit seinem guten beispiel ist global player estée lauder nicht alleine. auch bei lancôme ist mit der nigerianischen oluchi eine dunkelhäutige schönheit gesicht der aktuellen kampagne. tom ford verpflichtete für die anzeigen der yves saint laurent kosmetik die indische beauty ujjwala. modelikone iman: „heute, zwanzig jahre später, sind all diese sehr verschiedenen mädchen erfolgreich. ihr individueller stil ist akzeptiert, weil jetzt platz für mehr als eine ist. sie müssen jetzt nicht mehr um den lächerlichen titel der einzigen ausnahme, der einen schönen dunkelhäutigen, wetteifern.“
martina müllner
pool journal