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foto: iman&david bowie/tommy hilfiger
schwarze mode, weiße mode
nirgends hat die trennung in schwarze und weiße mode so viel bedeutung wie im hip-hop. ein paradoxon und segen zugleich: für die einen ist jeweils das andere begehrlich.
puff daddy alias p.diddy alias puffy alias sean combs ist in der hip-hop-szene in sachen credibility weit abgeschlagen. die zeiten, als man ihn selbst und seine musik als cool erachtete, liegen schon jahre zurück. dennoch, als beispiel eines mannes, der es geschafft hat, ist sean combs mit fug und recht anzuführen. der vor allem durch seine affäre mit jennifer lopez bekannte hip-hop-mogul zählt mittlerweile zu den wirtschaftlich potentesten modeherstellern der usa. sein label sean john setzte zuletzt etwa 300 millionen dollar um – das bedeutet platz fünf auf dem ranking der besten labels der usa. vor und mit ihm auf der liste: topseller wie polo ralph lauren oder giorgio armani.
das gros des umsatzes steuert die sportswear-kollektion bei. die noble und opulente black label kollektion, die 2001 erstmals bei der new york fashion week gezeigt wurde, ist dagegen das renommierprojekt des geschäftsmannes sean combs. pelze, cashmere, leder, edles tuch, in punkto luxus übertrifft puffy sogar jene modehäuser, deren liebster front-row-gast er jahrelang war. er, der in armani hemden, brioni anzügen und versace pelzen berühmt geworden ist, stellt diese nun in den schatten. verübeln kann ihm das selbst seine freundin donatella versace nicht. sein lautstarkes bekenntnis zu luxus, teuerer kleidung und diamanten tut der branche gut – gerade in zeiten wie diesen.
die momentane lieblingsfrau aller designer – beyoncé knowles – wusste ihre zahlreichen einladungen zu modeschauen von giorgio armani, versace, roberto cavalli und dolce & gabbana ebenfalls zu nutzen. seit kurzem ist sie gemeinsam mit ihrer mutter, der stylistin tina knowles, herrin über ihr eigenes label „touchacouture.“ ebenso unbeschwert wie sie musikalisch zwischen pop, r&b und hip-hop wechselt, wechselt sie auch ihre kleidung. mal die eigene linie promoten, mal die geschenke der europäischen designer tragen. ihre glamourösen auftritte á la hollywood und glaubwürdigkeit in einer szene, die jahrelang ausschließlich für weite, sportliche klamotten bekannt war, schließen sich dabei nicht aus. und selbst wenn es der schönen an glaubwürdigkeit mangelt: ihr verlobter, der rapper jay-z, bürgt mit seinen zahllosen schussnarben für das quäntchen gangsta-rappa-tum, das die umsätze gerade bei der weißen zielgruppe ankurbelt.
denn hip-hop ist längst kein schwarzes phänomen mehr: 70 prozent aller hip-hop-hörer sind weiße teenager. russell simmons, mitgründer von „def jam“, ist seit 1992 mit seinem label „phat farm“ erfolgreich. sein business, immerhin 340 millionen dollar schwer, verdankt er nicht zuletzt den weißen konsumenten. „ich verkaufe keine schwarze kultur an schwarze. ich verkaufe schwarze kultur an leute, die konsumenten der schwarzen kultur sind.“ so erfolgreich, dass phat farm in das interesse finanzkräftiger investoren rückte. der kellwood konzern bot 140 millionen für die marke. ein angebot, das russell simmons nicht ausschlagen konnte und seine firma verkaufte.
vorbei sind die tage, als hip-hop eine geheimsprache für insider war. was in den 70er jahren als underground begann, ist heute zu einem multimilliarden-dollar-geschäft herangewachsen. schätzungen zufolge werden in der sparte hip-hop jährlich alben, mode und merchandising-produkte im wert von 1,8 milliarden dollar an den mann gebracht. kein wunder, dass da auch etablierte, „weiße“ brands wie tommy hilfiger, ralph lauren, adidas und zahlreiche andere vom kuchen naschen wollen. ralph lauren, eine marke, deren erfolg im weißen us-ostküstenchic begründet ist, lernte schnell, dass dieser lifestyle gerade unter schwarzen konsumenten anklang findet. auch die us-sportswearmarke tommy hilfiger galt lange zeit als absolute in-marke unter hip-hop-stars. mitte der 90er jahre schickte tommy hilfiger rap- und hip-hop-stars über den laufsteg und unterstützte deren touren finanziell. dass hilfiger nun seine neue linie „h“, eine erschwinglichere konfektionslinie mit david bowie und seiner frau iman bewirbt, mag zufall sein. der kundenstruktur der marke entspricht es allemal.
martina müllner
pool journal