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foto: yutaka yamamoto
schwarze brücken
zeitlosigkeit, unabhängigkeit, eleganz = schwarz. so könnte die formel lauten, die der japanische modeschöpfer yohji yamamoto seit jahrzehnten für seine kollektionen anwendet. wer sich so intensiv mit schwarzer bekleidung und deren symbolik beschäftigt wie yamamoto, der tritt in eine art tiefenbeziehung zu farben, formen und symbolen.
eigentlich hasse er die modewelt, die immer nur von einem trend zum anderen hechelt und fragt, was als nächstes kommt, sagt yohji yamamoto. für ihn geht es um ganz andere dinge, wie es ja auch im leben zumeist um elementare aspekte geht: beziehungen, gefühle, respekt, schwächen zeigen zu dürfen, eine gemeinsame sprache zu finden, sich wohlzufühlen ... glücklich sein. körper und seele sind für yamamoto untrennbar miteinander verbunden. „am körper tragen wir unser leben lang kleidung, textilien sind unsere zweite haut.“ die zumeist in schwarz gehaltenen mode-kreationen des 1943 in tokio geborenen designers vermitteln ein statement für den respektvollen, behutsamen umgang der menschen miteinander. durch das tiefe schwarz seiner kleidungsstücke lässt sich sowohl die kindliche sehnsucht nach der poesie, den märchen, den wundern ausmachen, ebenso weisen diese aber auch auf die „dunklen“ seiten der menschheit hin, auf rohe gewalt und terror. solch modisch-ambivalente interpretationen, die sich nie klar einordnen, nie kategorisieren lassen, entstanden in yamamotos familiärer vergangenheit. in japan alleine mit seiner mutter aufgewachsen, musste er schon sehr früh „als braver junge“ symbolische brücken bauen, den tod seines vaters, der im zweiten weltkrieg gestorben war, ausgleichen. aus dieser lebensgeschichte und yamamotos weiterem weg in die westliche kultur hat sich eine besondere kraft entwickelt. mode ist für ihn zum sprachrohr für den kulturellen und geistigen austausch geworden.
yamamotos art und weise, das schwarz auf seine kleider zu bringen, lässt nie ein vereinfachendes schwarz/weiß-denken zu. „schwarz assoziiert ein angenehmes gefühl, buntheit hat eher mit anstrengung, unruhe zu tun.“ gilt es einerseits mit weichen, ausfallenden silhouetten in seinen kollektionen ein „beruhigendes“ statement, zurückhaltung und demut zu fordern, so können die produkte im nächsten moment sehr schnell zum rebellischen gegenentwurf mutieren. eine eigenwillige dynamik umgibt die produkte, deren fundament aber immer der menschliche körper ist. jener körper, der nie gleich bleibt, ständig seine form verändert, in bewegung ist: manchmal dünner, manchmal dicker, größer oder kleiner wird, auf jeden fall weit weg von jener perfektion und makellosigkeit, die uns tagtäglich suggeriert wird.
körper, bewegung, sport - drei streifen ... adidas. die sensibilität yamamotos für den körper und menschen haben den 61-jährigen modeschöpfer auch zum sportartikelhersteller adidas geführt. seit rund zwei jahren zelebriert der leidenschaftliche karate-sportler nun dort unter dem label „y-3“ seine sichtweise zukunftsorientierter sportswear. für alle, die sich einen guten überblick über die highlights der zusammenarbeit mit adidas verschaffen wollen, gibt es nun eine
retrospektive-kollektion mit dem titel „y-3 kuroi“, was auf japanisch soviel wie „schwarz“ bedeutet.
helmut wolf
pool journal