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häufig gestellte fragen
worin liegt für dich der inbegriff von sinnlichkeit?
vielleicht ein licht, eine haarsträhne, das kristallblaue leuchten schöner augen, ein spaziergang, die erbitterung von gefühlen ...

was inspiriert dich besonders?
die entwicklung eines objektes: anfangs noch anspruchslos, im rohzustand. dann beginnend sich durch seine funktionalität in die materielle welt zu integrieren. schließlich vollends zu einem lebendigen, kommunikativen ding zu reifen, welches durch seine form eine art von „ordnung“ in das lebenschaos bringt, gleichzeitig aber auch die individuelle interpretation anregt. schön gesagt, oder ...

was bedeutet glück für dich?
die momente, in denen ich kurz vor dem einschlafen bin. da befinde ich mich in einer art schwerelosem stadium, und ich fühle, wie meine gedanken abzuweichen beginnen. diese momente sind für mich eine zeit der anmut, wenn mein geist in einen raum ohne grenzen und einschränkungen entflieht. alles scheint einfach, klar, ruhig ... richtig. ich versuche, diese unbewussten momente so lange wie möglich in meiner erinnerung zu behalten, um sie in meine arbeit zu integrieren.

dein lieblingsgegenstand in deiner wohnung?
der lieblingsgegenstand in meiner wohnung ist eine holzstatue, welche mein vater von seiner reise nach chad mitgebracht hat. die statue stellt einen mann dar, der lächelt und die hand auf sein herz legt. das lächeln bedeutet für mich glück, die geste der hand auf seinem herzen stellt für mich güte dar. insgesamt bedeutet dieser gegenstand für mich glück und gibt mir erfolg.
intime objekte
archäologie und tischkultur haben mehr gemeinsam als man denken mag. jedenfalls ist das beim französischen designer alex vitet so. seine hingabe zu fossilien, mineralien und der natur im allgemeinen haben in dem jungen künstler schon sehr früh die leidenschaft für gegenstände reifen lassen. „spürbar, sichtbar und riechbar“ umschreibt vitet das sinnliche profil seiner objekte der tischkultur.
es ist der enge kontakt zur natur und landschaft in der französischen lozère, die den 1972 geborenen alex vitet in seiner kindheit stark prägten. dass sein vater als möbeltischler die umwelt und deren natürliche rohstoffe sozusagen visualisierte, sie formte und ihnen eine seele einhauchte, entfachte in ihm schließlich die liebe zu objekten und zu deren ursprünglicher herkunft. materialien wie holz, glas, metall und erde zählen zu den basiselementen seiner objekte, wo der künstler eine symbiose aus form und funktion bildet. sein großes interesse an der asiatischen spiritualität wird durch seine vorliebe für pure und elegante züge erkennbar. dass sich sein „zugang der sinne“ in der tischkultur manifestiert, kommt nicht von ungefähr. schließlich sind rund um den tisch alle sinne aktiv, sensibilisiert: schmecken, fühlen, riechen, schauen. sinnliche eigenschaften, die das fundament bei der zeitlos schönen objektgestaltung des 32-jährigen designers bilden.

alex, wie wird man eigentlich designer für tischkultur?
der bereich tischdesign stellt objekte in den vordergrund, die einen wichtigen bestandteil im täglichen leben eines jeden einzelnen darstellen. dinge, die sich auf unseren tischen, in unseren wohnräumen befinden, betrachten wir sehr genau, sie beeinflussen unser empfinden und unsere sinne. durch meine arbeit fühle ich mich mit jenen menschen verbunden, die diese dinge verwenden. um ein tisch-designer zu werden, musst du die leute immer beobachten, ihnen gut zuhören, ihre bedürfnisse verstehen. ein bestimmtes geheimnis für diesen beruf gibt es aber nicht ...

welchen beruf hast du dir als kind gewünscht?
um ehrlich zu sein, als kind wollte ich archäologe werden! archäologie ist eine gute ergänzung zu meiner leidenschaft für mineralien und fossilien, aber auch meiner hingabe zu einfachen gegenständen. heute verbinde ich diese leidenschaft mit kreativität, um daraus design zu formen.

glaubst du, wird das fundament für ästhetisches empfinden schon in der kindheit gelegt? sozusagen bei den dingen, die man schon sehr früh gesehen, gespürt, mit den händen angegriffen hat?
ja, ich denke schon. meine passion ist eine ansammlung von allem, das ich in meinem leben je gesehen, gefühlt und erfahren habe, verstärkt durch den engen kontakt zur natur während meiner kindheit. alle diese erlebnisse haben in mir ein spezielles empfinden einer ästhetik hervorgerufen, die heute in meine objekt-designs mit einfließen.

möchtest du, wenn du beispielsweise eine vase kreierst, eine bestimmte atmosphäre, ein spezielles gesamtbild in einem raum schaffen?
sobald ich ein objekt entwerfe, konzentriere ich mich zuerst mal auf das objekt selbst. der gegenstand sollte eigentlich von jeglichem „raum“ unabhängig sein. ich versuche bei meiner arbeit die empfindungen von individuen mit einzubeziehen, sie im verhältnis zu meinen objekten zu setzen. meine objekte erzählen eine geschichte, übermitteln eine „message“ und visualisieren starke empfindungen. ich mag dieses wechselspiel zwischen menschen und dingen ...

mit deinen objekten veränderst du, formst du den lebensraum vieler menschen. siehst du deine produkte in einer gewissen hinsicht auch als statement für mehr lebenskultur? möchtest du die welt verändern?
ja, klar sind meine produkte ein statement für mehr lebenskultur. ich kommuniziere hier eine gewisse sichtweise, die jetzt genauso von bedeutung sein soll wie in der zukunft. bewusst oder unterbewusst nehme ich natürlich auch an den veränderungen unserer umwelt teil, da jede form und jede farbe einen bestimmten einfluss auf unser tägliches leben hat.

inwieweit, findest du, beeinflusst eine bestimmte form einer teetasse oder eines tellers die sinne beim genuss?
wenn wir über tischgeschirr sprechen, sprechen wir oftmals über die verbindung zwischen design und den fünf sinnen, auch „sinnes-design“ genannt. daher verwende ich oftmals meine intuitiven gefühle, um eine verbindung zwischen einem objekt und seinem nutzer herzustellen. das ist wichtig, denn ich vergesse nie, dass eine kaffeetasse ein vertrauter, sehr intimer gegenstand ist. die kaffeetasse ist der erste gegenstand, den wir am morgen in unseren händen halten, noch vor der zahnbürste (lacht).

ein salzstreuer, eine kaffeekanne kann noch so schön und ästhetisch sein. wenn diese nicht funktionell ist, kommen die gegenstände auch nicht zum einsatz. musst du als designer nicht immer einen gewissen kompromiss bei deinen ideen eingehen, abstriche machen?
als designer liebe ich es, dinge zu kreieren, die sowohl ästhetisch als auch funktionell sind. dennoch ist das designen von dingen etwas anders als das industrielle erzeugen von produkten. natürlich bin ich jedoch manchmal dazu gezwungen, kompromisse in bezug auf die form meiner objekte einzugehen. meistens bin ich jedoch mit den endresultaten sehr zufrieden!

wie kann man sich deinen alltag vorstellen? wachst du auf, frühstückst (mit deinem eigenen entworfenen geschirr), und dann schießt dir eine idee nach der anderen in den kopf ...?
mein alltag ist ein leben, das durch sinne angetrieben wird, und ich lebe durch meine sinne. egal ob in der u-bahn zwischen tausenden menschen oder am frühen morgen in völliger ruhe und ohne stress. ich lebe, atme, arbeite durch diesen kontinuierlichen energiefluss.

wenn du die möglichkeit hättest, in einem großen unternehmen viel geld zu verdienen, dafür aber bei jeder kollektion auf knopfdruck kreativ sein müsstest, oder aber weniger zu verdienen, jedoch die freiheit als unabhängiger künstler behalten könntest, wie würdest du dich entscheiden?
ich wäre gerne irgendwo in der mitte und würde gerne von meiner kunst und passion leben können.
helmut wolf
pool journal