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häufig gestellte fragen
was würdet ihr sofort ändern,
wenn ihr es könntet?

uta: no nations, no borders
thomas: von der sonne aus gesehen haben wir viel mehr verbindendes, als abgrenzungsbedürftiges.
was inspiriert euch?
thomas: wenn man gelegenheit hat unseren planeten näher kennenzulernen, ist man schnell begeistert von den verschiedenen arten und weisen zu leben, sich zu kleiden oder zu wohnen. der aus der europäischen tradition kommende norden unseres planeten ist beispielsweise vollgestopft mit holz. da haben uns andere teile der erde einiges voraus. dort ist der boden ein sehr wandlungsfähiges möbel auf dem man isst, schläft u.s.w.
was fällt euch zum begriff „lifestyle“ ein?
thomas: unser „terranian visitor“ ist ein gutes beispiel für ein möbel, das dem terranian-lifestyle entgegen kommt. wir haben viele freunde auf unserem planeten, die uns besuchen kommen und die damit ein gästebett vorfinden. terranian-lifestyle heißt beweglich sein und terra genießen. das letzte große abenteuer ist doch, überall zuhause zu sein und überall freunde zu haben.
überall zuhause sein, überall freunde haben
„wir sind dekorateure künstlicher welten und lieben farbige räume. es ist schön ein bild zu betrachten, aber es ist noch viel schöner in ihm drin zu stehen“. uta weber und thomas stimm, gemeinsam seit acht jahren unter dem namen „soylent green“ unterwegs, versuchen mit ihrer arbeit den begriff „terra“ auf unserem planeten zu etablieren.
„terra“, was soviel wie erde/land heißt, sollte für jedes lebewesen dieses planeten der begriff von heimat werden. die von soylent green gestalteten aktionsräume sind stets orte der kommunikation, der zusammenkunft, bei denen der mensch im mittelpunkt steht. der betrachter findet durch die gestaltung in diesen konzeptionellen räumen eine „sinnliche erhöhung“. experimentiert wird mit farben, mustern und sounds. das spektrum der künstlerischen produktionen besteht aus verschiedenen editionen: terranian wear, terranian comfort, terranian culture und terranian food. der begriff „soylent green“ ist übrigens eine hommage an den gleichnamigen film von richard fleischer aus dem jahr 1973.

zuerst einmal die frage, wie ihr euch getroffen habt bzw. arbeitsmäßig zusammengekommen seid? uta hat ja in aachen studiert, thomas in wien ...
uta: ... und in köln haben wir uns getroffen. seit 1992 bin ich wieder dort und hatte bzw. habe mein atelier dort, wo thomas gegenüber in der keramikwerkstatt von niels dietrich an seinen skulpturen gearbeitet hat.
thomas: als wir uns kennenlernten war uns klar, dass wir etwas miteinander machen werden.
uta: thomas hat kurz vorher in indien seidenanzüge unter dem label „terranian wear“ anfertigen lassen, mir gefiel die idee, kleidung für terranier zu gestalten.
dabei sollte es wichtig sein, dass wir dinge aufgreifen, die es auf der welt schon gibt, deren „erfinder“ aber unbekannt sind. 1996 war die pudelhaube unsere erste gemeinsame edition. ich habe in meiner künstlerischen arbeit schon gerne in der form von multiples und editionen gearbeitet, um den werken ihre „wichtigkeit“ zu nehmen, die einem original immer anhaftet. außerdem kann man sie günstiger verkaufen, und sie sind weniger elitär.
thomas: unser gruppenname „soylent green“ kam aus der gemeinsamen liebe zu dem gleichnamigen film von richard
fleischer aus den 70ern. der film beschreibt eine utopie, die nicht allzu fern, also für uns noch erlebbar ist. das ist auch irgendwie unser programm. in der deutschen übersetzung heißt der film: „2022, die die überleben wollen“ ... und das wollen wir natürlich auch.

der name „terranian“ entstammt dem begriff „terra“, also erde oder land. bezieht sich das in eurer arbeit auf die materialien, die ihr verwendet oder hat das wort einen übergeordneten charakter?
thomas: wir finden es wichtig, dass unser planet einen gemeinsamen namen hat.
uta: „terra“ sollte als name der beginn und die basis terranischer kultur sein und für jedes lebewesen der begriff von heimat bedeuten.
thomas: man wird vielleicht einmal ein terranier sein und auf terra leben, sowie man heute europäer ist und in europa lebt.

es geht ja derzeit sowohl kulturell, gesellschaftlich als auch umweltmäßig - im wahrsten sinne des wortes - ziemlich rund auf unserem erdball. wie ist eure sicht über die derzeitige befindlichkeit der „erde“ und inwieweit hat man als künstler darauf einfluss?
uta: als künstler hat man wahrscheinlich zu wenig einfluss, um wirklich etwas zu verändern, aber man hat die freiheit eigene sichtweisen aufzuzeigen.
thomas: jedenfalls sollte man unseren kleinen himmelskörper nicht nur den zockern überlassen. heute sollte jeder über unseren planeten nachdenken und versuchen einfluss zu nehmen. es gibt bereits eine menge menschen, die das tun, da ist vieles in bewegung. die zeit ist immer ihren gesetzen voraus.

wollt ihr dinge, materialien, stimmungen verändern oder spiegeln eure arbeiten aktuelle entwicklungen und strömungen?
thomas: unsere produkte spiegeln im kleinen, was dieser planet so zu bieten hat. deswegen heißt unser verlag auch „best of our planet production“.

ihr bezeichnet euch als „dekorateure künstlicher welten“ und wollt mit euren konzepten zu einer neuen identität unseres planeten beitragen. wie sollte diese identität aussehen?
uta: eine mischung aus dem besten, was dieser planet zu bieten hat.
thomas: kultur von allen - für alle!

in euren ausstellungsräumen steht der mensch im mittelpunkt. würdet ihr eure arbeit als gegenbewegung oder -konzept zu unserer hochtechnologisierten zeit mitsamt seinen unpersönlichen medien wie internet, email und sms bezeichnen?
uta: nein, wir benutzen gerne diese neuen medien. schließlich sind die medien nur das, was wir damit anstellen.
thomas: bei allem was gemacht und getan wird, sollte der mensch im mittelpunkt stehen. das sollte eine generelle forderung von uns an uns sein!

unter eurem gruppennamen „soylent green“ beschäftigt ihr euch mit einem „neuen planetarischen bewusstsein“. gibt es hoffnung, dass diese welt einmal zu einem „neuen bewusstsein“ samt frieden gelangt?
uta: wir beschäftigen uns ständig mit bewusstseinsbildung. auch unsere ausstellung in der galerie „christine könig“ in wien, „terra my terra, planet so sweet, i can feel you under my feet“ benannt nach einem lied unserer terra-cd mit 12 terranischen liedern, hatte dazu etwas beigetragen.
thomas: auch wenn wir ein ego haben, sind wir eine ausformung und damit ein teil unseres planeten. wir gehören zu ihm, wie unsere haare zu uns gehören und nicht umgekehrt. man stelle sich vor, jedes einzelne haar auf unserem kopf hätte ein ego und würde behaupten von göttern erschaffen zu sein und wir menschen wären nur der humus ihrer glorreichen existenz. wir sind eine direkte konsequenz dieses himmelskörpers. wir sind terra!
helmut wolf
pool journal