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häufig gestellte fragen
was inspiriert dich?
juxtapoz magazine
wofür nimmst du dir besonders viel zeit?
für meine hunde
dein lieblingsort?
'wild at heart', berlin
dein liebstes kleidungsstück?
jeans&chucks
wovon träumst du?
von einer besseren welt natürlich
was verbindest du mit dem begriff schönheit?
beautiful people are evil!
fotos: stephan doleschal
girls want to have pop
unlängst hat im wiener museumsquartier der laden mädchenpop eröffnet. war ja auch dringend zeit, dass es einen shop gibt, der sich um speziell weibliche anliegen kümmert. mädchenpop-betreiberin billie tunakan hat den rock'n'roll, die richtigen klamotten und den nötigen spirit.
mädchenpop. hört sich das nicht irgendwie (zu) niedlich an? ein blick in den laden reicht, um festzustellen, dass hier „mädchen“ gleichbedeutend ist mit riot girl. „mädchen sind frech und selbstbestimmt. mädchenpop entstand aus dem bedürfnis heraus, eine plattform von frauen für frauen zu schaffen“, umreißt billie tunakan ihre beweggründe. mädchenpop ist nicht das kopieren von männlichen verhaltensnormen, weil: das gibt es schon. also lieber was eigenes und eigenständiges machen.“ bei mädchenpop ist das etwas kantiges, buntes, sind es starke einflüsse, deren charme in der kombination der stile liegen. mädchenpop ist kein fashion-store sondern eine einstellung. junge designerinnen fragen sie, ob sie ihre sachen ausstellen können, und billie sieht sich als eine, die ihnen die möglichkeit zur präsentation ihrer kunst gibt. sie macht keinen hehl daraus, dass rock'n'roll das wichtigste ist: die seit sieben jahren in wien lebende, gelernte stylistin, die malt und ab und zu platten auflegt („da muss es ordentlich krachen!“), kam für mädchenpop nicht von ihrer linie ab, die da heißt: rockabilly-ikonografie mit totenköpfen, würfeln, kirschen, langen thunderbird-flitzern und flotten mädchen. billie ist eine verfechterin des veganen. „ist ein persönliches ding. aber ich achte darauf, dass beispielsweise die griffe bei taschen aus kunstleder sind und nicht aus echtem.“ ob sie eine schwarze lederjacke hat? „nein. aber vegane creepers.“ was sie persönlich denn gerne hätte? „schwarze kunstlederjacken fehlen noch im laden...“ grinst sie. und: „ich will mehr petticoats haben.“ die schutzheilige des stores ist eine unbekannte, die betty page zum verwechseln ähnlich sieht. 60s-trash von the cramps, tattoo-culture und die eye-catcher-bunten teile von froehlich. das geht alles zusammen und noch viel mehr. der kreative output wurde entsprechend gewürdigt. immerhin war mädchenpop gleich bei der eröffnung des ladens zum „vienna fashion walk“ eingeladen worden.
billie tunakans netzwerk an weiblicher ausdruckskraft umfasst nicht nur mode sondern auch ausstellungen, fotografie, comics; ein sammelsurium der popkultur für frauen. t-shirts, kleider, röcke, taschen, accessoires, und was man als girl von welt sonst noch so alles braucht. alles da und als echte designerware als einzelstück. bald soll auch eine abteilung für cds dazukommen, comicausstellungen ebenfalls. independent-modemacherinnen wie megatscheli, saperlipopette, miss luzifer und catdesign aus berlin, babsf, sugarbabe aus bologna, pyjamarama, lotteprodukt und einige mehr sind hier vertreten. mädchenpop ist eine art wohlfühlladen, weil sehr bunt. das mögen frauen. die kundschaft ist grundsätzlich sehr gemischt. unlängst war eine 13-jährige mit ihrem vater da, und er musste ein teil für sie erstehen. es kommt aber auch die kunstprofessorin in der mittagspause vorbei, um es sich gut gehen zu lassen.“
rock'n roll ist der stoff, aus dem die träume sind. in „my melody“ stellt die berliner künstlerin elisha smith-leverock musikerinnen wie peaches, angie reed, sara jaffe (erase errata) aus. oder nicole morier von electrocute aus berlin und ihr verhältnis zum wahrscheinlich „phallistischsten“ instrument: der gitarre. kontroversiell und witzig, wird den besuchern gleich klar gemacht, was wirklich rockt.
mädchenpop ist dabei, sich immer weiter zu vernetzen. dass ausgerechnet eine kunstinstitution wie das museumsquartier dafür die heimstätte ist, macht das ganze umso interessanter. synergien zwischen anschaubarer und tragbarer kunst werden hier erlebbar, streetstyle zur kunst erhoben und alles mit der nötigen menge fun geerdet.
heinrich deisl
pool journal